Stuck Rubber Baby

Das schöne Panel gehört zum wiederaufgelegten Comic Stuck Rubber Baby von Howard Cruse. Carlsen hatte die Geschichte über den Südstaatler Toland Polk, der in den 60ern entdeckt, dass seine eigene (unterdrückte) Homosexualität und die Bürgerrechtsbewegung, dass also Homophobie und Rassismus Hand in Hand gehen, 1996 als Softcover (und für stolze 42,- DM) herausgebracht, jetzt legt CrossCult eine neu geletterte Hardcover-Ausgabe neu auf, ergänzt um ein Vorwort, ein Nachwort und einen Blick in die Werkstatt von Cruse, der ein paar seiner ersten Entwürfe für den dickleibigen Comicband präsentiert. Die ganze Geschichte, schreibt Cruse, ist komplett erfunden, die Stadt und ihren Bürgermeister gibt es nicht, auch keinen Toland Polk und all seine schwarzen und weißen Freunde. Und doch ist jede Seite, jede Begebenheit von der Wirklichkeit geprägt, die im Kennedy-Amerika der frühen 60er herrschte, als in Alabama Schwarze gelyncht wurden und in Birmingham eine Bombe in einer Kirche explodierte, wodurch mehrere kleine schwarze Mädchen umkamen. Neben der großen Politik, die in einer Rückblende erzählt wird, geht es um Liebe, Studium, Jazz, Schwulsein und überhaupt all die großen Gefühle, die mit Anfang 20 auf einen einstürmen. Nach diesem Meilenstein in der Comicgeschichte zog sich Cruse, der viele Jahre an diesem Buch gearbeitet hatte, von der Szene zurück, trotz des großen Zuspruchs und aller Preise, die man in der Branche gewinnen kann. (CrossCult bei Amigo, Ludwigsburg 2011, 216 S., HC, mit Glossar, Vorwort, Nachwort, Extras, 26,-) - aco-