DER PAPAGEI

Das dritte Männchen

Erst kam Bob Roberts, als rechter Star-Politiker mit den Manipulations-Methoden der Linken. Dann kam Eddie Murphy als Trickbetrüger im Kongreß, dem hinter den Fassaden der Macht das Herz wieder an den rechten Fleck rutschte. Und nun der: Harald Juhnke. Von der Schmieren-Charge zur Miet-Schnauze, vom fliegenden Händler zum reisenden Volksverhetzer, den am Ende doch wieder die Moral einholt. Und das alltägliche Elend.

Das schüttelt schon jetzt Herrn Juhnke und seine Firma. Einerseits feierte das Feuilleton diesen bunten Vogel auf dem Hofer Filmfestival als den "Lichtblick" (ZEIT) und die "Realsatire" (FAZ) des letzten Jahres, andererseits sackte die Einschaltquote bei der Fernsehausstrahlung im Dezember ins Selbstmörderische ab; einerseits kassierten Juhnke und sein Regisseur Huettner den Ernst Lubitsch Preis 93 (für bemerkenswerte Belustigungs-Verdienste), andererseits schlingert die Komödie jetzt kinokassenmäßig verdammt nah an der 5-Prozent-Hürde herum. Wohl weil das Publikum für Polit-Farcen den berliner Westentaschen-Sinatra nicht für ein Zugpferd hält. Und die Juhnke-Anhänger sich solche Themen nicht antun:

Wie der abgesoffene Weiberheld Gurkenschneider in der Fußgängerzone verkauft, wie er den neuen rechten den Front-Mann macht, wie er deren braunen Scheiß widerwillig schluckt solange nur die Blauen stimmen, wie er Wahlveranstaltungen zu Stand-Up-Comedy-Shows macht, wie er das Parteiprogramm solange umschreibt bis genug Lacher drin sind, wie sein Manager einen imagehebenden Anschlag auf ihn arrangiert, wie eine Journalistin ihn über die steuerbetrügerischen Hintergründe der Partei-Finanziers aushorchen will, wie aber immer mehr Ebenen der Politik sich als Schein entlarven ... eigentlich passiert eine Menge im Papagei, was eine böse, zynische, harte, verzweifelte, meinetwegen auch galgenhumorige und vor allem wichtige Parade-Fabel hätte ausmachen können. Das er das nicht geworden ist, liegt gerade nicht an Juhnke. Der macht seine Sachen gut. Der verkauft Schund jeder Preisklasse mit Charme, der kokettiert mit seinem eigenen Milch & Schampus-Image, und der hat Augenblicke jenseits der genialen Charge, die rühren uns an. Jawohl.

Nur treibt das überkonstruierte Drehbuch den hinreißenden Hampelmann zum Helden, verlangt ihm sogar einen Action-Einsatz ab, und verliert ständig seine Gegner aus den Augen. Ist der Wahlkampfmanager böse? Das Publikum blöd? Der Sponsor ein Schwein? Das Nazi-Netz amerikanisch gesteuert? Die Ex-Ehefrau versöhnungsbereit? Man sieht geradezu den krampfhaft versteckten erhobenen Zeigefinger der Autoren sozusagen hinterrücks in der Hosentasche aufgehen. Bis nichts mehr stimmt. Und so kommt es, daß das Beste am Papagei genau das ist, was seinem Erfolg im Wege steht. Und das Schlechteste (wiewohl auch nicht richtig schlecht, nur enttäuschend) eben das, was das beflissene Feuilleton so erwartungsverzerrend an ihm lobte. Schade.

-w-