BLACK HAWK DOWN

Ich hatt' einen Kameraden

Die Kriege der USA gehen manchmal in die Hose

Ein halbes Jahr kreiste Ridley Scotts Film über den deutschen Kinos in der Warteschleife. Während des Afghanistan-Krieges wollte der Verleih das hiesige Publikum nicht mit bluttriefenden Militärspektakeln belästigen. Aber jetzt schnell, schnell bevor in den Irak einmarschiert wird, versucht man den Film noch unter die Leute bringen.
Black Hawk Down handelt von einem desaströsen Out-of-Area-Einsatz der US-Armee in Mogadischu im Oktober 1993. Bürgerkrieg und Hungersnot wüten im westafrikanischen Somalia, einheimische Milizen verhindern die Verteilung der UNO-Hilfslieferungen. Um den Konflikt zu entschärfen, soll ein US-Spezialkommando ein Treffen führender Offiziere des Warlords Aidid stürmen und die Beteiligten gefangen nehmen.
Nur eine Stunde soll der Einsatz von US-Rangers und den Elitesoldaten der Delta-Force im Herzen Mogadischus dauern. Daraus wird jedoch eine 15-stündige Schlacht, bei der eine Übermacht von schwer bewaffneten Milizionären die amerikanischen Invasoren aufreibt und zwei US-Hubschrauber abschießt. Erst mit Hilfe eines pakistanischen Blauhelmkonvois können die US-Soldaten gerettet werden. Die Bilanz der Nacht: 18 tote und 70 verwundete amerikanische Soldaten und ca. 1000 getötete Somalis.
Der misslungene Einsatz in Mogadischu ist ein Paradebeispiel für militärische Überheblichkeit und dafür, dass der oft beschworene moderne, saubere Krieg nur in der Vorstellung der Pentagon-PR-Abteilung existiert. Ridley Scott stellt in episch-blutiger Breite das militärische Desaster minutiös nach und präsentiert sich nach außen als kompromissloser, ultrabrutaler Antikriegsfilm. Im Inneren schreckt Black Hawk Down allerdings immer wieder vor der eigenen Konsequenz zurück. Der Mythos militärischer Professionalität, die vorgibt, mit perfekt ausgebildeten Soldaten und High-Tech-Bewaffnung Kriege kalkulierbar gestalten zu können, gerät nicht wirklich auf den Prüfstand. Stattdessen flüchtet sich Scott lieber in Kameradschaftsszenarien, in denen sich dreck- und blutverkrustete Rangers und D-Boys bis zur Erschöpfung kämpfend gegenseitig auf die Schultern klopfen. Dabei war es gerade der Treueschwur der Rangers, keinen noch so toten Kameraden in Feindeshand zurück zu lassen, der einen vernünftigen Rückzug verhindert und an die 1000 Somalis das Leben gekostet hat. Die werden allerdings erst nach ausführlicher Trauerarbeit für 18 gefallene US-Soldaten verschämt im Abspann erwähnt.
Auch wenn die Drehbuchautoren dem hübschen Josh Hartnett als braven Sgt.Eversman rührend antirassistische Dialoge ins Skript geschrieben haben, sprechen Scotts Bilder eine andere Sprache. Die afrikanischen Gegner werden fast ausschließlich als diffuse schwarze Masse inszeniert, die wie ein Ameisenheer über die bewaffneten Vertreter der weißen Zivilisation herfallen. Black Hawk Down schickt mit durchaus beeindruckendem Aufwand sein Publikum in einen zweieinhalbstündigen Überlebenskampf, in dem die Kamera mit sadistischer Schaulust auch schon einmal in die geöffnete Bauchhöhle eines verletzten Soldaten hineinkriecht. Im Blutrausch verliert Scott schließlich jegliches Analysevermögen und setzt, zusammen mit seinem Produzenten Jerry Bruckheimer ( Pearl Harbour ), auf den versöhnenden Geist des Patriotismus.

Martin Schwickert

USA 2001 R: Ridley Scott B: Ken Nolan nach einer Vorlage von Mark Bowden K: Slawomir Idziak D: Josh Hartnett, Ewan McGregor, Tom Sizemore