NATÜRLICH BLOND

Sitzengelassen

Eine Blondine will studieren

Sind ja doch alle gleich, die Amerikaner. Ernähren sich von Frittierfett und können auf der Landkarte Europa nicht von Madagaskar unterscheiden. So denkt man sich das zumindest, wenn wieder mal so eine Komödie im Kino landet. Diese preist sich selbst als Legally Blonde an. Das kann ja was werden. Der Film behandelt das Schicksal einer völlig klischeehaften, also vermutlich ziemlich realitätsnahen, kalifornischen Standardblondine. Alles in ihrem Leben ist pink und perfekt, bis ihr superseriöser Boyfriend ihr nicht etwa den erwarteten Heiratsantrag macht, sondern den Laufpaß gibt. Da er nach Harvard gehen und Politiker werden will, kann er sich mit einem dummen Huhn wie ihr nicht mehr öffentlich zeigen. Unsere Heldin geht nach dieser Demütigung zum Angriff über und bewirbt sich selber für die Harvard Law School. Bald darauf kreuzt sie in voller Montur auf dem Campus auf und stürzt sich ins Studium.
Die erste Viertelstunde erfüllt alle Erwartungen: Sie ist ziemlich dämlich. Dann auf einmal wird es unerwartet lustig und bleibt so bis zum Ende doppelbödig, klug geschrieben und pointiert inszeniert. Man will es irgendwie nicht wahrhaben, aber der Film schwingt sich zu Höhen auf, die man hinter diesem Titel nie vermutet hätte. Immer, wenn es doch etwas platt zu werden scheint, kommt die nächste Wendung um die Ecke gebogen. Und am Ende jene sympathischen Texteinblendungen, die uns über das weitere Schicksal der Helden informieren und uns sanft aus dem Film in die Wirklichkeit geleiten. Ein Feelgood-Film. Was will man mehr.

Dietrich Brüggemann

Legally Blonde. USA 2001. R: Robert Luketic. B: Karen McCullah Lutz, Kirsten Smith. K: Anthony B. Richmond. D: Reese Witherspoon, Selma Blair, Luke Wilson u.a. 96 Min.