BONJOUR SAGAN

Leicht asynchron

Ein ehrliches und biederes Portrait der französischen Autorin und Stil-Ikone Francoise Sagan

Gerade einmal neunzehn Jahre alt war Françoise Sagan, als ihr erster Roman Bonjour Tristesse 1954 erschien. Der frühe literarische Erfolg brachte ihr Ruhm und Reichtum ein und rückte ihr Leben unerbittlich ins Licht der Öffentlichkeit. Die Sagan avancierte zum ersten Popstar des Nachkriegsfrankreich und repräsentierte ein neues weibliches Selbstbewusstsein, das stilprägend wurde. Dass ihr Lebenswandel mehr mediale Aufmerksamkeit bekam als ihr literarisches Werk, brachte ihr oft den Argwohn einiger Kollegen ein.

Vier Jahre nach Sagans Tod versucht nun die französische Filmemacherin Diane Kurys, das Leben der literarischen Popikone zu erkunden. Aber auch hier spielt die öffentliche Person eine weitaus größere Rolle als ihr schriftstellerisches Schaffen. Kurys zeichnet das Porträt einer lebenshungrigen Melancholikerin, die ihren frühen Reichtum mit vollen Händen ausgibt, sich mit einer Gruppe von loyalen Freunden umgibt und bis ins hohe Alter Alkohol und Kokain konsumiert.

Hauptdarstellerin Sylvie Testud legt die Figur gezielt unglamourös an und lässt sie oftmals wie in einer Raumkapsel durch die Zeitgeschichte treiben. Ihre Sagan scheint immer ein wenig asynchron zur Realität zu leben. Dazu gehört auch ein entfremdetes Verhältnis zum eigenen Sohn.

Wie viele Biopics leidet auf Bonjour Sagan an der Orientierung an der Lebenschronologie, die trotz einiger Auf und Abs keine fesselnde Filmdramaturgie hergibt. Das gilt besonders für die Reinszenierung der letzten trostlosen Lebensjahre der Autorin, die auf der Leinwand wie eine (unbeabsichtigte) moralische Abstrafung für den ausschweifenden Lebenswandel wirkt.

Martin Schwickert

Sagan F 2008 R: Diane Kurys B: Diane Kurys, Claire Lemaréchal K: Michel Abramowicz D: Sylvie Testud, Pierre Palmade, Lionel Abelanski