Cuban Fury

Tanzstunde

Klischeeversammlung auf der Tanzfläche: Nick Frost bringt sich unter die Haube

Als Junge war Bruce (Nick Frost) ein begeisterter Salsa-Tänzer und räumte mit seiner Schwester alle Pokale ab, bis eine Jugendgang ihn wegen seines "unmännlichen" Hobbys zusammenschlug, ihm alle Pailletten vom Seidenhemd riss und in den Mund stopfte.

Zwanzig Jahre später ist aus dem geschmeidigen Parkettprinzen ein übergewichtiger Dauersingle geworden, der sich nach der Arbeit im Büro vor den Fernseher setzt und mit Fruchtzwergen abfüllt. Aber wie der Drehbuchzufall es will, fängt im Maschinenbaubetrieb die neue Bereichsleiterin Julia (Rashida Jones) an, die Bruce sehr verzückt und nach Feierabend nichts lieber macht, als Salsa zu tanzen. Da heißt es, die eingerosteten Glieder wieder in Schwung bringen und die alte Leidenschaft wieder zum Leben zu erwecken, um das Herz der Angebeteten zu gewinnen.

In Cuban Fury erzählt James Griffiths eine klassische Aschenputtelgeschichte, die den Nachweis erbringen will, dass auch dicke Männer schöne Frauen abbekommen, wenn sie gut tanzen können. Das Drehbuch von Jon Brown und Hauptdarsteller Nick Frost ist so übersichtlich wie ein Verkehrskindergarten. Ein Klischee reiht sich hier gnadenlos ans nächste: Vom fiesen Arbeitskollegen, der am Schluss für all seine Mobbing-Attacken büßen muss, über den beinharten Tanzlehrer, der seinen Schüler auf Vordermann bringt, einen persischen Quotenschwulen, der für lebenslustigen Esprit sorgt, bis zum korpulenten romantischen Helden mit dem ganz großen Herzen, der die Braut von der Tanzfläche pflücken darf - alles da.

So viel narrative Einfalt und überdeutlich durchdeklinierte Lebensratgeberweisheiten werden durch eine Hand voll halbwegs spektakulärer Tanzeinlagen nicht aufgewogen. Da leihen wir uns lieber noch einmal Dirty Dancing aus der Videothek aus.

Martin Schwickert

GB 2014 R: James Griffiths B: Jon Brown, Nick Frost D: Nick Frost, Rashida Jones, Chris O'Dowd. 98 Min