DARK BLUE

Killercops

Böse Geschichten aus dem L.A.P.D.

Los Angeles im April 1992. Die Stadt wartet auf ein Urteil. Die vier Polizisten, die den Afroamerikaner Rodney King vor laufender Videokamera halbtot geprügelt haben, stehen vor Gericht. In fünf Tagen wird ihr Freispruch die Stadt entflammen. In der Zeit vor dem folgenschwersten Justizskandal der jüngeren US-Geschichte hat Ron Shelton seinen Cop-Thriller angesiedelt. Dark Blue spaziert mitten hinein in den korrupten Polizeiapparat des L.A.P.D.

Während die Öffentlichkeit den Rodney-King-Prozess verfolgt, findet im Polizeipräsidium von Los Angeles eine Routine-Anhörung statt. Der junge Cop Bobby Keough (Scott Speedman) muss sich wegen eines Todesschusses auf einen Verdächtigen verantworten. Brav beschwört er die Dienstvorschriften, und sein älterer Partner Eldon Perry (Kurt Russell) bezeugt die vermeintliche Notwehrsituation. Nach dem Freispruch stoßen Angeklagter, Zeuge und Ausschussvorsitzender im Hinterzimmer auf den ersten Todesschuss des Greenhorns an.

Die Spezialeinheit SIS ist eine verschworene Männergemeinschaft und Perry der härteste Brocken der Truppe. Der zynische Bulle, dessen Familie schon seit drei Generationen auf der Gehaltsliste des L.A.P.D. steht, ist mit der Dienstwaffe schnell bei der Hand. Seinen Juniorpartner versucht er mit aller Gewalt, in die Gesetzte der Straße und des Reviers einzuweisen. Als die beiden einen brutalen Raubüberfall aufklären und dabei feststellen, dass ihr eigener Chef (Brendan Gleeson) der Drahtzieher des Verbrechens ist, kommt Bobbys Gewissen auf den Prüfstand. Dark Blue beruht auf einem Roman von James Ellroy (L.A.Confidental), dessen blutige Kriminalgeschichten sich ungeschönt mit der amerikanischen Wirklichkeit auseinandersetzen. Das Drehbuch wiederum stammt von David Ayer, der im letzten Jahr mit Training Day eine baugleiche Story servierte. Auch hier geht es um die Initiation eines jungen Polizisten, der von seinem erfahrenen Kollegen in den Sumpf der Korruption hinein gezogen wird.

Vor dem Hintergrund des Rodney-King-Prozesses erweitert Dark Blue jedoch den Blick auf die politischen Verhältnisse und stellt die Frage nach Recht und Gerechtigkeit auf analytischere Weise als in Training Day. Deutlich sensibler als Oscar-Overactor Denzel Washington legt Kurt Russell seine Vorstellung des zynischen Cops an, der wechselweise den Hass und das Mitgefühl des Publikums auf sich zieht. Ruhm und Elend der Macho-Existenz liegen hier verblüffend dicht beieinander. Russell, der sich nach Die Klapperschlange lange Jahre durch hirnlose Actionfilme geballert hat, liefert hier die beste Leistung seiner Karriere. Regisseur Ron Shelton inszeniert den klassischen Cop-Thriller in rauen, hart geschnittenen Bildern, denen es gelingt, sich der Gewalt zu stellen, ohne sie zu zelebrieren.

Martin Schwickert

USA 2003 R: Ron Shelton B: David Ayer nach dem Roman von James Ellroy K: Barry Peterson D: Kurt Russell, Brendan Gleeson, Scott Speedman