EIN SOMMER IN NEW YORK

Schlag die Trommel

Ein sehr ruhiger Film über kulturelle Differenzen

Walter Vale ist am Anfang am Ende. Seine Frau ist tot, seinen Beruf als Uni-Professor auf dem Lande absolviert er lustlos, sogar die Klavierstunden, die er als Reminiszenz an seine Frau, eine Konzertpianistin, nimmt, enden in ziellosem Geklimper. Dann aber schickt ihn seine Uni zu einem wichtigen Kongress nach New York und alles wird anders.

Zufällig hat er dort nämlich ein Appartement, zufällig hat sein Immobilienverwalter das Objekt schwarz untervermietet, und ausgerechnet auch noch an ein Paar illegaler Immigranten, einen Araber mit einer afrikanischen Frau.

Soviel Unwahrscheinlichkeit muss man dem zweiten Film von Thomas McCarthy, der mit Station Agent debütierte, erstmal abnehmen. Man tut es, weil Richard Jenkins den Walter Vale so müde spielt, dass man ihm jede Aufrüttelung gönnt. Und weil Tom McCarthy so deutlich eine Art Weihnachtsgeschichte über das Paar ohne Herberge anlegt, dass jeder Einwand gegen das Bild verliert.

Es folgt allerdings kein Adventsmärchen, sondern sondern eine vertrackte Errettung des alten Professors zum Leben. Der einquartierte Tarek bringt ihm das Trommeln auf der Djembe bei, Tareks Frau Zainab bringt ihm ganz vorsichtig das Leben bei, und am komischsten wird es, wenn Walter von Tarek lernt, dass man zum Trommeln besser die Hose auszieht, und später Zainab Walter ohne Hose ertappt.

Während Walter auf seinem Kongress irgendwas Intellektuelles über Globalisierung und Weltkultur schwadroniert, schlägt das Schicksal zu. Tarek kommt offensichtlich schuldlos in Abschiebehaft, Zainab verlässt wegen Unschicklichkeit Walters Wohnung, Tareks Mutter taucht auf, die eh besser zu Walter passt.

Europäer hätten ab jetzt einen bösen Film über die rigide Einwanderungspolitk der USA gemacht. Tom McCarthy macht daraus eine leise Liebesgeschichte zwischen Tareks Mutter und dem langsam zum Leben erweckten Professor. Nicht ganz ohne Kitsch, aber immer wieder voller packender Bilder. Tarek sitzt im zubetonierten Abschiebeknast und trommelt nur noch mit den Fingern auf der Besuchertrennscheibe, Zainab verkauft Stammeskunst auf dem Flohmarkt, Tareks Mutter guckt sich mit Walter ein Broadway-Musical an, und der Deli-Mann im Imbiss beim Knast spielt gelingendes Multi-Kulti im Sprachenwirrwarr vor.

Am Ende ist Walter am Anfang. Das Klavier ist weg, ab jetzt gehört die Djembe zu ihm. Er hat niemanden retten können außer sich selbst. Aber das ist doch schon mal was. Immerhin hat Richard Jenkins für seinen Walter Vale eine Oscar-Nominierung gekriegt. Und der Film kommt mit ein paar Jahren Verspätung nun doch nach Europa, wo wir ihn möglicherweise besser verstehen als Einwanderungsbeamte und Kongressveranstalter.

Wing

The Visitor USA 2007 R&B: Thomas McCarthy K: Oliver Bokelberg D: Richard Jenkins, Hiam Abbass, Haaz Sleiman, Danai Jekesai Gurira, Richard Kind