DIE FÄLSCHER

Blüten für Churchill

Mit Falschgeld wollten die Nazis das Empire stürzen

Durch den Bretterzaun hindurch hört man nur die schlürfenden Tritte der "Schuhkommandos", die auf dem Exerzierplatz im KZ-Sachsenhausen bis zur vollkommenen Erschöpfung im Kreis marschieren müssen. Diesseits des Zauns hingegen hört man Operettenklänge aus dem Lautsprecher. Die Betten der Inhaftierten sind mit Matratzen und weißem Bettleinen ausgelegt. Statt der Sträflingsuniform dürfen die Insassen Anzüge der ermordeten Auschwitz-Häftlinge tragen.
Grund für die Privilegien: Hier im Geheimtrakt des Konzentrationslagers Sachsenhausen wird Geld gemacht. Es bleibt bis heute die größte Geldfälscheraktion der Geschichte, von der Stefan Ruzowitzkys Film erzählt. 130 Millionen britische Pfund ließen die Nazis gegen Kriegsende fälschen, um die Wirtschaft des Gegners zu sabotieren.
Die besten Drucker, Grafiker und Retuscheure - allesamt Juden - wurden aus den verschiedenen Konzentrationslagern nach Sachsenhausen verlegt. So wie Salomon Sorowitsch (Karl Markovics), der sich schon vor Kriegsbeginn einen Namen als Fälscher gemacht hat. Als er 1944 in den "Goldenen Käfig" kommt, erhofft sich der Leiter des Unternehmens endlich einen Durchbruch bei der Fälschung des britischen Pfund und des US-Dollars. Sorowitsch macht sich an die Arbeit und gerät dabei mit dem kommunistischen Häftling Burger aneinander, der die Fälschungsaktion sabotieren will.
Sorowitsch hat kriminelle Fantasie und einen unzerstörbaren Überlebenswillen. Karl Markovics spielt den mit allen Wassern gewaschenen Kleinkriminellen als undurchlässige Figur, deren Motive und Gedanken stets im Halbdunkeln bleiben.
Obwohl Regisseur Ruzowitzky die Krimiebene spannungsreich ausbaut, bleibt seine Zeichnung der Gewaltstrukturen im Konzentrationslager präzise. Dabei verzichtet er auf die direkte Darstellung und konzentriert sich auf die lauernde Bedrohung, die psychischen Verwüstungen des KZ-Systems und den Grundkonflikt zwischen Idealismus und Pragmatismus.

Martin Schwickert

D/Österreich 2007 R&B: Stefan Ruzowitzky K: Benedict Neuenfels D: Karl Markovics, August Diehl, Devid Striesow , 98 Min.