FAST FOOD NATION

Das Kartell

Wie schmutziges Fleisch gemacht wird

In seinem Selbstversuch Super Size Me deutete Morgan Spurlock auf die Auswirkungen übermäßigen Fleischklopskonsums hin. Richard Linklater ( Before Sunrise ) nimmt sich die fettigen Buletten in Fast Food Nation zwar ebenfalls vor, rollt das Feld allerdings von einer anderen Seite auf. Auf der Grundlage von Eric Schlossers gleichnamigem Sachbuch blickt er hinter die Kulissen der Fleischindustrie.
Don Henderson (Greg Kinnear) ist der neue Marketingchef beim Fast Food-Giganten "Mickey's". Als im kulinarischen Flaggschiff "The Big One" eines Tages ekelhafte Kolibakterien nachgewiesen werden, reist Henderson nach Texas, um dem Skandal auf den Grund zu gehen. Direkt an der Quelle der Hamburgerproduktion muss er erkennen, wie schmutzig das Fleischgeschäft an der Basis tatsächlich ist.
In unabhängig durchmischten Geschichten schildert Ricjhard Linklater den Prozess der Fleischherstellung, von der Rinderzucht bis zum Hamburgerverkauf. Grundsätzlich zeugen die einzelnen Episoden von der Ausbeutung illegaler Zuwanderer, bewussten Täuschungen und Korruption. All diesen Elementen kommt der Marketingchef bei seinen Recherchen auf die Schliche.
Linklater unterteilt seinen Film dafür in fragmentierte Lebensschicksale. Die einzelnen Protagonisten kennen sich nicht und haben keine Verbindungen zueinander.
Nüchtern präsentiert Linklater die Arbeitsprozesse hinter der Fleischtheke. Stets durchzieht seinen Film ein deprimierender Unterton. Fast scheint es, als hätte er eine Art Traffic der Fleischindustrie erschaffen wollen. Immerhin treten neben Hauptdarsteller Greg Kinnear prominente Gäste wie Bruce Willis, Ethan Hawke oder Rockröhrchen Avril Lavigne auf.
Im Wust der Stars verpufft bisweilen die Botschaft. Obwohl das Thema spannend ist und einzelne Dialoge durchaus herausragen, ist ein Film der verschenkten Möglichkeiten entstanden.

Oliver Zimmermann

USA 2006 R&B: Richard Linklater, K: Lee Daniels, D: Greg Kinnear, Patricia Arquette, Ethan Hawke; 116 Min.,