GOLDEN DOOR

Freiheit hinter Glas

Warum Sizilianer in die USA auswandern

In bitterer Armut leben Salvatore (Vincenzo Amato) und seine Sippe Ende des 19. Jahrhunderts in Süditalien. Sie träumen von den USA, dem Land, wo's Goldstücke von den Bäumen regnet. Voller Hoffnungen treten alle die beschwerliche Überfahrt an. An Bord des Auswander-Schiffes lernt Salvatore die geheimnisvolle Lucy (Charlotte Gainsbourg) kennen, die sich seiner Familie anschließt.
Golden Door braucht einen langen Anlauf, um in Schwung zu kommen. Von Salvatores Entschluss auszuwandern bis zum Betreten des Schiffes und der Ankunft in der Neuen Welt vergehen viele, bisweilen sich hinziehende Minuten. Das mag den mühevollen Ausreiseprozess veranschaulichen, wirkt aber ermüdend.
So erlebt der Zuschauer anfänglich sehr detailliert, wie Salvatore ein von abergläubischen Riten geprägtes, ärmliches Bauerndasein führt. Auch an Bord des Schiffes vergeht die Zeit nur langsam. Die Passagiere warten und warten und vertreiben sich die Zeit mit Singen und Haarekämmen.
Angekommen in den USA heißt es: Warten und Bangen. Über mehrere Tage müssen die Auswanderer langwierige, höchst unwürdige Selektionen über sich ergehen lassen. Sie werden ausgefragt, untersucht und getestet. Dadurch wollen die Amerikaner vermeintlich ansteckende oder vererbbare Krankheiten wie "Schwachsinn" und "Stummheit" von ihrem Boden fern halten. Alleinstehende Frauen werden mit wildfremden Männern zwangsverheiratet, um einreisen zu dürfen.
Die Stimmung in den Wartehallen am Hafen ist trübe und bedrückend. Viele Auswanderer erleben die Neue Welt nur durch eine undurchsichtige Milchglasscheibe, bevor sie wieder zurückgeschickt werden, dem Traum so nah und doch so fern.
Golden Door ist ein eindringliches Drama, das seine Stärken und seine Gegenwartsnähe erst in der zweiten Filmhälfte entfaltet. In Venedig gabīs dafür einen Silbernen Löwen .

Oliver Zimmermann

Nuovomondo. I/F 2006, R & B: Emanuele Crialese. D: Charlotte Gainsbourg, Vincenzo Amato, Aurora Quattrocchi, Francesco Casisa 118 Min.