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INVICTUS Obama-Kino Clint Eastwood erzählt eine wahre Geschichte aus dem Südafrika der 90er - und meint die USA der Gegenwart. Frisch ins Amt gewählt, ist der neue südafrikanische Präsident Nelson Mandela vor allem um Versöhnung bemüht. Er, den die weißen Herrenmenschen über 20 Jahre lang inhaftiert hatten, bleut seinen eigenen Leuten ein, dass sie sich keinesfalls so benehmen dürften wie die Weißen es von ihnen erwarten. Ziemlich frustriert müssen Mandelas Kampfgefährten mitansehen, wie der große schwarze Führer freundlich gegen Jedermann ist, sogar weiße Security-Officers zum Personenschutz zulässt, denen man ihre finstere Vergangenheit im Polizeidienst deutlich ansieht. Jedenfalls stellt sich das in Clint Eastwoods Invictus so dar. Morgan Freeman gibt darin einen Nelson Mandela, von dem man jederzeit erwarten darf, dass er notfalls auch übers Wasser gehen kann. Invictus handelt von der Idee Mandelas, die bei den Schwarzen verhasste südafrikanische Rugby-Mannschaft keinesfalls aufzulösen, sondern sich deren weißen Kapitän (Matt Damon) zum Tee einzuladen und ihm klarzumachen, wie viel es für das neue Land bedeuten würde, wenn die bisher mittelmäßige Rugby-Truppe den Weltcup gewinnen würde. Von derlei präsidialer Fürsorge ganz gerührt, zieht Matt Damon los und gewinnt mit seinen Jungs den Weltcup. Alles freut sich. Eastwood findet rührende Bilder der Versöhnung, wenn am Ende der schwarze Straßenjunge und die weißen Polizisten gemeinsam am Autoradio kleben und die Schlußreportage der Weltmeisterschaft verfolgen. Wenn er zeigt, wie die weißen Rugby-Jungs auf Präsidentenbefehl hin in ihrem klimatisiertem Bus in die Townships fahren, um dort den Kids Rugby beizubringen, dann findet da Versöhnungsarbeit statt, die in Wirklichkeit viel komplizierter gewesen sein dürfte. Invictus verkneift sich den ganz harten Versöhnungs- und Toleranzkitsch. Das schwarze Dienstmädchen darf am Ende im Stadion mitjubeln, die innere Verwandlung der weißen Ex-Herrscher zeigt Eastwood hingegen höchst vorsichtig. Er zeigt eine ehemals herrschende Klasse, die heilfroh darüber ist, dass ihr nicht das Fell über die Ohren gezogen wird für ihre vergangenen Verbrechen. Die weißen Security-Jungs spielen am Ende mit ihren schwarzen Kollegen Rugby im präsidialen Vorgarten, und Nelson Mandela steht am Fenster und betrachtet die Szene schmunzelnd. Dass derlei Verkleisterung erträglich bleibt, liegt an dem jungenhaften Humor, den Eastwood immer noch pflegt. Und an seiner gewohnt direkten, schnörkellosen Erzählweise. Invictus (benannt übrigens nach einem Gedicht von William Ernest Henley) ist ganz in klares, freundliches Licht getaucht. Es ist ein Film, der Spaß am Optimismus hat, auch wenn die Welt in Südafrika 1990 gerade beinahe untergegangen wäre. Invictus ist ein Film der Obama-Ära. Erstaunlich wie viel Ähnlichkeit der Film mit The Blind Side hat, dem neuen Film mit Sandra Bullock (ab März im Kino). Auch dort geht es um Rassismus und Sport. Auch dort geht es um eine wahre Geschichte. Und hier und dort werden im Abspann Bilder der echten Protagonisten gezeigt. "Wir machen hier Kino", sagen diese Bilder, "aber es ist alles wahr". Unter George W. Bush war es umgekehrt. Thomas Friedrich USA 2009 R: Clint Eastwood B: Anthony Peckham K: Tom Stern D: Morgan Freeman, Matt Damon, Tony Kgoroge
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