»METRO«

Radau

Schluß mit lustig: Eddie Murphy setzt den Todesschuß

Auch eine Comedy-Ikone wie Eddie Murphy möchte mit fortschreitendem Alter ein wenig ernster genommen werden. Und so steht am Anfang von Thomas Carters Metro ein klärender Schuß. Aus dem Cabrio heraus wird der Verthandlungsspezialist der Polizei Scott Roper (Murphy himself) zum Tatort einer Geiselnahme beordert. Mit rethorischen Geschicklichkeiten und einer Tüte Donuts verdreht er dem Kidnapper den Kopf und erlegt ihn dann mit einem finalen Plattschuß, wie ihn sich bayrische Innenminister nicht besser wünschen können. Schluß mit lustig also. Zwar Murphy, aber keine weitere Cop-Comedy. Ein paar Scherze vielleicht noch, aber sonst erwartet das Publikum bierernste Action.
Roper macht seinen Job ganz prima, er ist der beste, aber auch er leidet unter dem im Kino weit verbreiteten Polizisten-Trauma: Sein langjährigen Partner wurde kürzlich bei einem Geisel-Einsatz in einem Supermarkt erschossen. Nach dem verfrühten Ende einer langen tiefen Männerfreundschaft nagen Selbstvorwürfe an Scott, dem Profi. Klar, daß ein Greenhorn wie der Scharfschütze Kevin McCall (Michael Rapaport) trotz nachgewiesener Hochintelligenz es nicht einfach haben wird als neuer Partner akzeptiert zu werden. Klar auch, daß Ropers Liebesleben bei soviel Beruf und Berufung sehr belastet ist: Die Fotojournalistin Ronnie Tate (neu im Geschäft: Carmen Ejego) möchte ihre Rolle als Heldenmätresse nicht mehr erfüllen.
Was für ein Glück, daß es einen besonders bösen Gangster gibt, der das private und das berufliche Leben des Geisel-Cops zusammenbringt. Michael Korda (Michael Wincott) ist ein kultivierter Juwelendieb, der mit dem ermittelnden Inspektor über Duke-Ellington-Platten fachsimpelt, um ihn wenig später im Fahrstuhl brutal niederzustechen. Auch er nimmt gerne Geiseln und schneidet ihnen auch schon mal ein Ohr ab. Wincott gibt den eiskalten Bösewicht hier mit beeindruckender schauspielerischer Präzision.
Korda ist auch sehr nachtragend. Daß Scott Roper es schafft, ihn hinter Gitter zu bringen, schmeckt ihm gar nicht, so daß er nach gelungenem Ausbruch Ropers schöne Ex-Freundin geiselnimmt. Und genauso wichtig wie dicke Männerfreudschaften sind bekanntlich gut gepflegte gleichgeschlechtliche Feindseligkeiten, die danach schreien, in einem scheppernden Show-Down ausgetragen zu werden.
Metro hat alles was ein durchschnittlicher Action Film haben muß: einen omnipräsenten Cop, einen durch und durch bösen Bösen, dicke Autos, die in hügeliegen Straßen ansehnlich zu Schrott gefahren werden, eine kugelhagelndes Finale und eben diese eine aufsehenerregende Verfogungjagd, von der man dann am anderen Tag seinen Mitschülern erzählen kann. Ein Cable Car macht sich in den Straßen von San Fransisco selbständig und nimmt, während Gut und Böse einander ans Leder gehen, alles mit, was sich ihm in den Weg stellt. Regisseur Thomas Carter ist so begeistert von seinem Einfall, daß er darüber das Timing völlig vergißt, und er zeigt, daß auch die spannendste Verfolgungsszene irgendwann einfach zu lange dauern kann. Bei allem Bemühen um genremäßiger Gesetzestreue verliert Metro immer wieder kräftig an Fahrt. Über die holprige Drehbuch-Dramturgie kann auch der große Radau nicht hinwegtäuschen.

Martin Schwickert