A BEAUTIFUL MIND

Mit Lücken

Hierfür soll Russell Crowe den Oscar bekommen

Vieles bleibt in Ron Howards semi-dokumentarischer Aufbereitung des Lebensweges von John Forbes Nash im Unklaren. Mit deutlichen erzählerischen Lücken folgt der Film dem genialen Mathematiker Nash vom Princeton College, wo er studiert, über seine Tätigkeit als Dozent und Forscher am MIT in paranoid-schizophrene Welten, die zunehmend seine Realitätswarnehmung bestimmen. Nach Jahren des Kampfes gegen den Wahnsinn kehrt Nash wieder nach Princeton zurück, um Mathematik zu unterrichten. Für seine bahnbrechende Neuentwicklung im Bereich der Spiel- und Entscheidungstheorie, die er bereits als Student in Grundzügen entwickelte, bekommt er 1994 schließlich den Nobelpreis.
Naturgemäß muss Drehbuchautor Akiva Goldsman die knapp vierzig Jahre von 1947 bis 1994, über die sich das dramatische Geschehen erstreckt, raffen. Immer wieder überspringt der Film ganze Jahre, um zum nächsten entscheidenden Punkt in Naschs Leben zu springen. Gleichzeitig bleiben aber auch einige Fragen in der erzählten Handlung offen. So klärt A Beautiful Mind nicht, wie es John Forbes Nash gelingt, einige Jahre seiner Aufgabe als Dozent an der MIT aufgrund einer streng geheimen Spionagetätigkeit als Code-Brecher nicht nachzukommen, ohne dass er Ärger bekommt. Es bleibt unklar, wer Nash in die Psychiatrie einweisen lässt und warum die Ärzte ihn ausgerechnet bei einer öffentlichen Veranstaltung mitnehmen wollen. Neben solchen Schwächen besticht der Film durch das Porträt eines Geistes, der in einer gewöhnlichen Welt nicht zurecht kommt und sich deswegen eine Welt, die höhere Aufgaben bereit hält, erfindet. So kristallisiert sich als Thema der verzweifelte Kampf um die eigene Identität heraus. Der Wahnsinn wird zum Ausweg aus der Unterforderung. Über die Kraft eines solchen selbstbezogenen Dramas gerät bei Ron Howard die Liebesgeschichte zwischen Nash und einer Studentin, die seine Frau wird, ins Hintertreffen. Der geniale Geist fordert auch in der fiktionalen Aufbereitung seinen Raum.

Stefan Dabrock

USA 2001. R: Ron Howard. D: Russell Crowe, Ed Harris, Jennifer Connelly