SABADO - DAS HOCHZEITSTAPE

Wilde Braut
Eine Art »Blair Witch Project« über die Liebe

Egal was passiert, du darfst die Kamera auf keinen Fall ausschalten", sagt Antonia zu ihrem Nachbarn Gabriel, bevor sie an Blancas Tür klingelt. Antonia ist mit ihrem eigenen Doku-Trupp ausgerückt, um eine Hochzeit zu sprengen. Antonia ist schwanger und zwar von dem Mann, den Blanca heute heiraten will. Seit zwei Jahren hat Diego mit Antonia herumgemacht und währenddessen die Hochzeit mit der schönen, unschuldigen Blanca vorangetrieben. Im Hochzeitskleid rauscht Blanca aus dem Haus, leiht sich den Kameramann aus und stellt den untreuen Bräutigam unter der Dusche zur Rede. Der leugnet, schreit, gesteht und fleht Blanca an, ihm zu verzeihen. Eine brüllend komische Soap-Opera-Szene auf offener Straße.
Was macht eine Braut, die erfährt, dass ihr Bräutigam sie schon vor der Hochzeit betrogen hat? Blanca greift zum Handy, ruft ihre Freundin an, lässt sich trösten und erinnert sich an ihren Jogging-Partner Víctor, der so ausdauernd um ihr durchtrainiertes Herz geworben hat. Blanca ist eine dieser Frauen, die den Machos wehrlos verfällt und sich den Softies aktiv verweigert. Aber auch der Versuch, bei dem verständnisvollen Víctor sexuellen Trost zu finden, scheitert. Víctor will reden und nicht vögeln. Und so rauscht Blanca wieder hinaus auf die Straße. Die Kamera stolpert hinterher. "Soll ich abschalten?", ruft der Kameramann. Blanca winkt nur müde ab. Der Film ist zuende.
Wie im Rausch vergehen diese 65 Filmminuten, die Regisseur Matías Bize mit wackelnder Handkamera in einer einzigen Einstellung ohne nachträglichen Schnitt gedreht hat. Ein Film aus einem Guss, der von der atemlosen Energie seiner Schauspieler getragen wird, die einen fast vergessen lassen, dass Sábado eigentlich nur ein Homemovie ist.

Martin Schwickert
Chile 2003 R: Matías Bize B: Paula del Fierro, Julio Rojas K: Gabriel Díaz D: Blanca Lewin, Antonia Zegers, Diego Muñoz