SCHNITZELPARADIES

Viele Köche

Vor 2 Jahren lachten viele Holländer über diese MultiKulti-Küchenmannschaft

Der Küchenchef ist ein langhaariger Rocker, die Brötchenschmierer sind zwei supercoole Marokkaner, der irre Fleischportionierer ist Serbe, der Hilfskellner Türke, der fiese Vorarbeiter Holländer: In der Küche des Schnellbräters "Zum Blauen Geier" brutzelt ein wilder Haufen unter unsagbaren Bedingungen ein ebenso unsagbares Essen zusammen ("Schnitzel is' alle, dann gibt's halt Seezunge"). Hier treffen sich die Verlierer, die Illegalen. Hier drückt sich jeder, Bündnisse werden auf Zeit geschlossen, und wer bestehen will, muss sich einmal mit dem blonden Vorarbeiter angelegt haben.
Das Schnitzelparadies ist eine sehr schnelle Komödie ohne Handlung aber mit drolligen Szenen, in denen die Eigenheiten von Türken, Arabern und Jugoslawen aufs Korn genommen werden. Vor allem die kurzen Szenen, die bei Nordip zu Hause spielen (Nordip ist der Ich-Erzähler dieses Konglomerats), machen sich über arabische Hauskultur mächtig lustig; wofür ein erlesenes Ensemble zur Verfügung steht; vor allem Sabri Saad El-Hamus als Papa ist eine Schau. Weil nicht alles Schnitzel ist, gibt's eine belanglose Liebesgeschichte, ein bisschen Konflikt wird von außen hereingetragen, weil die ältliche Chefin des Hauses sich in Nordip verguckt - aber das ist alles nur Vorwand, um die virtuos gefilmten Kochkaskaden zu unterbrechen. "Kochen ist Krieg, Mann!", sagt der Küchenchef, und nur mit dieser wilden Truppe kann man ihn gewinnen. Auch wenn kein vernünftiger Mensch das freiwillig essen würde, was da - vom Fußboden frisch auf den Teller - serviert wird.
2005 war das in Holland ein Hit. Hier stecken offensichtlich eine Menge Wortwitz in der Originalfassung, die bei der - ansonsten gut anhörbaren - Synchronisation verlorenging. Trotzdem ist das ein feiner Spaß für gut integrierte Aus- und Inländer.

Victor Lachner

Het Schnitzelparadijs. NL 2005 R: Martin Koolhoven. B: Marco van Geffen. K: Guido van Gennep. D: Mounir Valentyn, Bracha van Doesburgh, Mimoun Oassa, Yahya Gaier 82 Min.