»BETTER THAN CHOCOLATE«

Mädels zum Anbeissen

Romantik und Gelächter: eine Lesben-Liebe in Kanada

Man(n) möchte auf der Stelle das Geschlecht wechseln, und die sexuelle Orientierung, oder andersrum, oder wenigstens das Land: Kanada ist definitiv nicht Kansas. Alles ist anders, alle sind anders - und doch ist es die selbe alte Geschichte: Mädchen trifft Mädchen, Mädchen kriegt Mädchen, konservative Mutter kriegt kessen Vater zur Freundin ... und man muss nicht mal Schokolade mögen, um an dieser romantischen Komödie Geschmack zu finden.
Und an der Musik, den vielen Musical-Nummern ... Better than Chocolate fängt gleich mit einer an, mit der Maggie (Karyn Dwyer, rotlockig süss) in der Nachtbar für ungewöhnliche Lebensstile einen Nebenjob antritt. Tagsüber verkauft sie Lesbenpornos, dazwischen träumt sie von einer Karriere als Schriftstellerin. Skins überfallen sie, Kim (Christina Cox, blond, stark, Malerin) rettet sie - und die erste, ebenso schüchterne wie unbefangene Sexszene führt zu herzlichem Gelächter im Saal: die falsch geparkte Liebeslaube Wohnmobil wird mittendrin abgeschleppt.
Das ist lustig, nicht nur in Vancouver, nicht nur mit Eingeschlechtlerinnen. Überhaupt hat ein bunter Reigen "unkonventioneller" Frauen (darunter ein transsexueller Mann) hier stinknormale romantische Konflikte. Die Mädels sind verklemmt, sind eifersüchtig, sind verliebt, sind aufsässig. Und arbeiten nebenher doch echte Probleme der Queer Community ab. Der Zoll beschlagnahmt etwa eine Buchlieferung - was gleich wieder komisch wird, weil "Rotkäppchen" dabei ist - und die Zoll-Beamtin eine Schwester ist.
Richtig ernst, zu Tränen rührend, wird es nur in der Transgender-Nebenhandlung: stolz singt Peter Outerbridge als Judy im Nachtclub "I am not a Fucking Drag Queen" - wird von einer angewiderten "echten" Frau auf der Toilette verprügelt - und treibt tagsüber das Frau-werden-wollen doch bis zu Häkeldeckchen und Schöner-Wohnen-Wallungen.
Dabei trifft sie als geborene beste Freundin auf die hochkonventionelle Mutter der Hauptperson (Wendy Crewson, die einzige international etwas bekannte Schauspielerin im Team). Mutter hat keine Ahnung vom Leben ihrer Tochter Maggie, zieht aber zu ihr, weil ihr Mann sie verlassen hat. Und ißt Schokolade aus demselben Grund.
Mutter hat auch keine Ahnung von Sex und Spass, aber das wird sich ändern. Alle Frauen, und solche die es werden wollen, werden in diesem Film glücklich. Und dem einzigen Mann, der anfangs das junge küssende Glück aus seinem Bistro warf, fliegt der Laden in die Luft. Märchenhaft gerecht, aber ohne ernste Folgen. Regisseurin Anne Wheeler wollte einfach nur Spass machen. Und hat es so gut hingekriegt, daß man danach etwa Fernsehwerbung für Instant-Cappuccino locker als konterrevolutionär erkennt.

WING