SOLOALBUM

Flachwitzer

Wenn Macho-Yuppies Liebeskummer haben...

In Was tun wenns brennt hatte Gregor Schnitzler ein paar Mittdreißiger zurück in ihre Hausbesetzer-Vergangenheit geschickt und dabei ein ebenso stimmiges wie unterhaltsames Porträt der etablierten Revoluzzergeneration gezeichnet, eine Mainstream-Komödie, der man anmerkte, dass die Macher auch ein wenig von ihrer eigenen Jugend erzählten. Schnitzlers neuer Film schielt nach dem großen Publikum und konzentriert sich auf den beschränkten Horizont einer Generation. Ben (Matthias Schweighöfer) ist gerade einmal 24 und der tollste Hecht im Aquarium, Frauenschwarm, Partyhengst, Traumjob als Redakteur einer hippen Musikzeitschrift. Ben strotzt nur so vor Selbstbewusstsein - bis seine langjährige Freundin Katharina (Nora Tschirmer) formvollendet per SMS mit ihm Schluss macht.

Der Szene-Sunnyboy geht nun durch alle Stadien männlichen Trennungsschmerzes, die übersichtlicherweise mit Kapitelüberschriften versehen werden: "Nicht zulassen", "Ins Leben stürzen", "Verlust akzeptieren", "In sich gehen" ... zehn Regeln dieser Art werden hier nahezu dramaturgiefrei durchbuchstabiert und jeder noch so dünne Witz penetrant zerdehnt. Etwa wenn Ben seinem Rivalen ins Auto pinkelt und sich dabei das Gemächt im Fensterspalt verklemmt. Soloalbum beruht auf dem gleichnamigen Roman von Benjamin v. Stuckrad-Barre - einer bissigen Satire auf die Nachwuchsyuppie-Gesellschaft der späten 90er. Schnitzler und sein Drehbuchautor Jens-Frederik Otto haben den Stoff auf eine postpubertäre Lovestory zusammengekocht und mit ein wenig Harte Jungs-Humor versetzt. Nur schemenhaft wird das Beziehungskrisen-Szenario im sozialen Umfeld verortet. Wo der Hintergrund fehlt, bleiben auch die Figuren farblos und unglaubwürdig. Matthias Schweighöfer nimmt man trotz aller Mühe weder den hippen Musikredakteur noch den kriselnden Minimacho ab.

Ohnehin hat man all das schon sehr viel besser in Steven Frears High Fidelity gesehen. Fast schon schamlos bedient sich Soloalbum bei der Nick-Hornby-Verfilmung und banalisiert die Vorlage ins flachdeutsche Komödienformat.

Martin Schwickert

D 2003 R: Gregor Schnitzler B: Jens-Frederik Otto nach den Roman von Benjamin v. Stuckrad-Barre K: Gero Steffen D: Matthias Schweighöfer, Nora Tschirner, Oliver K. Wnuk