T(R)AUMSCHIFF SURPRISE


Outtakes

2 Gags in 90 Minuten - wer's mag

Damit wir nicht den Überblick verlieren: es gibt die Chips zum Film ("Chiogalaktisch"), den üblichen McDonalds-Schnickschnack, es gibt Königin Metaphas Armreif (für 195 Euro) und Bully-Magnetfiguren (für nur 7,95), es gibt ein Kartenspiel, Spuckis Perücke (für 19,95) und das Kleid von Miss Bora-Bora (100% Baumwolle, in den Größen 36-44, für 39,95), es gibt das Buch zum Film ("Thesen, Hintergründe, Analysen" - bei vgs für nur 12,90) und ein hinreißend bescheuertes PC-Spiel (bei Take 2, für 24,95).
Ach ja, und es gibt den Film. Den allerdings wirklich zuletzt, denn all das clevere Merchandising war längst fertig, als Michael Herbig seinen Film fertig schnitt; bis kurz vor Schluß wurde da wohl noch geschraubt, der Verleih zeigte erst eine Woche vor dem Filmstart eine vollständige Fassung, bis dahin bekam die Presse nur die ersten 20 Minuten zu sehen.
Nachdem das Leadprodukt zu den Werbeartikeln jetzt auf dem Markt ist, kann man sagen: 20 Minuten hätten's durchaus getan. T(r)aumschiff Surprise ist ein bemerkenswert unkomischer Film, der ziemlich atemlos seine Gags abarbeitet und hektisch durch die Schauplätze rast. Oder aber in einer Szene stehenbleibt und nicht weiterweiß: selten war so viel peinliche Langeweile in einer Komödie zu sehen wie in der endlosen Szene des Weltregierungsrates. Hier paaren sich hilflose Regie, ratlose Kamera, planloser Schnitt und ein geschwätziges Drehbuch aufs finsterste.
Die Geschichte von den dummen Tucken, die per Zeitreise die Welt retten sollen, ist ein wüster Mix aus Star Trek und Star Wars, die beiden Welten haben sich noch nie vertragen, sie tun's auch hier nicht: der selbstironische Tonfall des Roddenberry-Universums und das martialische Geplapper von George Lucas' Riefenstahl-SF erfordern ganz unterschiedliche parodistische Mittel. Im Prinzip haben Herbig und seine Co-Autoren das auch erkannt: der böse Imperator spielt in der Freizeit Orgel, und Käpt'n Kork ist ein Trottel - zusammen aber wird das nicht witzig.
Was auch nicht geht: Til Schweiger und Anja Kling. Der eine ist einfach ein lausiger Schauspieler, die andere versteht ihre Rolle nicht (was auch nicht einfach ist: anfangs als "Königin Metapha" eingeführt, wird sie von Schweiger ständig als "Prinzessin" angeredet - Schlamperei oder extrem subtiler Witz?).
Es gibt zwei gute Gags im Film. Der eine ist einfach eine Handbewegung (wenn Anja Kling die "Surprise" sucht), der andere hat was mit einer Zeitung im Wilden Westen zu tun. Ansonsten herrschte im Kino, gefüllt mit reichlich Zielgruppe zwischen 10 und 16 Jahren, gespenstische Stille. Am lautesten gelacht wurde, als im Abspann die Outtakes kamen.
Es gibt einen guten Grund, dennoch in (T)raumschiff Surprise zu gehen: Michael Herbig als Vulcanette Spucki. Er ist zum brüllen komisch und zum weinen bewegend. Was er am Ende in der Abschiedsszene hinlegt, geht weit über das hinaus, was man bisher von ihm gesehen hat. Er ist ein großer Komiker. Vielleicht sollte er weniger Merchandising-Verträge persönlich aushandeln. Und sich mehr um seine Kunst kümmern.

Thomas Friedrich