»U TURN«

Cool & sexy

Hier hat Oliver Stone mal einen guten Tag gehabt.

Eigentlich mag ich Oliver Stone nicht. Ich mag eigentlich auch Sean Penn nicht, aber ich liebe U-Turn . Bei bestimmten Regisseuren, die auch nicht mehr gerade unbelastet sind und ein überschaubares Oeuvre geschaffen haben, denkt man die Richtung, den Stil und die Ausprägung zu kennen. Selten wurde ich mit einer vorgefaßten Meinung über einen Regisseur so überrascht wie bei Olis neuestem Streich. Sollte es ein Ausrutscher gewesen sein, war es ein genialer. Die Geschichte ist schnell erzählt (allein deshalb hat der Film schon gewonnen): Losertyp Bobby, dargestellt von Sean Penn, meistens stoned - fährt durch die Wüste, irgendwas platzt am Auto. Bobby schafft es mit Ach und Krach zur nächten Tanke mit einem äußerst "strangen" Wart mit schmierigem Bart, der ihm Bescheid gibt, daß es etwas dauern könnte - rein in die Stadt, sich solange erfrischen - Begegnung mit einer ultrageilen Femme fatale - beinahe enger körperlicher Kontakt, doch der Ehemann kommt noch dazwischen. Von da an eigentlich Schema X. Zurück in die Stadt, nur Ärger, kein Geld, kein Auto und unmoralische Angebote von allen Seiten.
Hört sich irgendwie bekannt an, ist es auch, allerdings nicht in dieser radial-forschen Umsetzung: Double Indemnity meets NBK. Der überspitzte Lakonismus fesselt mit bunten, wilden, impulsiven Bildern, souverän eingefangen von Stones Hauskameramann Robert Richardson. Der dynamisierende Schnitt scheint die Charaktere geradezu zu zerschneiden, was beim Flashback von Bobby besonders gut funktioniert. Doch auch die inhaltliche Ebene bietet noch die eine oder andere Überraschung.
Allein die Besetzung ist den Kinoabend wert. Vor allem, weil man gut die Hälfte des Films damit verbringen kann zu raten, welcher Star in welcher absurden Gastrolle zu sehen ist. Der Profi erkannte sie sofort, achten Sie vor allem auf die junge Dame in der Bahnhofshalle, nein, nicht die Kassiererin, sondern die im Hintergrund. Einer der gewinnendsten Aspekte ist allerdings die Musik. Auch da habe ich mich getäuscht. Der Altmeister der Filmmusik Ennio Morricone legt eine derart stimmige Selbstparodie hin, wie man es von ihm nicht mehr erwartet hätte.
Und das Beste zum Schluß: Jennifer Lopez! Ach nee, eigentlich gebührt dieser Platz doch Powers Boothe als durchgeknallter Sheriff. Jennifer ist zwar unglaublich sexy und weiß die vielen Stimmungswechsel überzeugend rüberzubringen, aber Boothe ist einfach supercool und hat mega Power!

Nikolaj Nikitin