»IM ZWIELICHT«

Sein letzter Fall

Robert Bentons gemächlicher Krimi mit Alt-Stars

Harry Ross (Paul Newman) ist eigentlich mehr Hausmeister als Privatdetektiv. Im Haus seines Freundes Jack Ames (Gene Hackman) nebst nonchalanter Gattin (Susan Sarandon) erledigt Harry so aufregende Dinge wie die Wartung des Maschinenparks und das Kartenspiel mit dem Hausherrn. Er hat schon alles aufgegeben (Job, Rauchen) bzw. verloren (Familie). Er ist die moralisch integere Person des Films, weil er quasi besitzlos ist.
Demgegenüber steht der Hausherr, der sich mit finanziellen und gesundheitlichen Zipperlein herumschlägt. Deshalb bittet er Harry, einen Botengang für ihn zu übernehmen. Natürlich einen ganz harmlosen. So harmlos, daß Harry Ross bald von einem schwerverletzten Schwergewicht mit Schußwaffe attackiert wird. Harry wittert Lunte. Er beginnt zu recherchieren. Die ruhigen Tage sind nun vorbei.
Die Geschichte konzentriert sich nach der ersten Hälfte zwar auf ein überschaubares Verdächtigen-Ensemble, verliert aber dank der hervorragenden Akteure kaum an Spannung. Susan Sarandon und Paul Newman gebührt Lob für ihre gemeinsamen Szenen. Unerfüllte Liebe, Sehnsucht und moralisches Gewissen treffen hier aufeinander. Soll der Hausfreund die Grande Dame verführen? Spinnt die Umgarnte ein Netz, um Ross zu fangen? Kann man angesichts eines herzkranken Freundes in der oberen Etage Sex haben?
Die ewige Frage nach Schuld, Sühne und Integrität stellt Regisseur und Drehbuchautor Robert Benton erneut. Mit Im Zwielicht inszenierte er einen Thriller, der frappierende Parallelen mit der letztjährigen Kino-Überraschung L.A. Confidential besitzt. Alles beginnt harmlos, weitet sich zu einem Komplott-Szenario für den Helden aus und endet mit der Desillusionierung.
Um die Verschwörung zu lüften, benutzt Benton ein angenehm langsames Tempo. Die Geschichte entwirrt sich in verschlungenen Pfaden ohne krachige Blei-Duelle. . Die Bilder sind in nostalgischen Farben eingefärbt, Paul Newman mahnt an die gebrochenen Helden von Raymond Chandler, und nicht zuletzt wohnt seinem Auftritt auch eine gewisse Reminiszenz an das alte Hollywood inne. Für weitere Freuden sorgt ein Wiedersehen mit James Garner ( Detektiv Rockford ), der eine weitere Detektivrolle in seine Vita aufnehmen darf.

Ulf Lippitz