THE WATCHER

Hannibällchen

James Spader als Jodie Foster, Keanu Reeves als Anthony Hopkins

FBI-Agent Joel Campbell (James Spader) ist ein Wrack. Acht Jahre war er in Los Angeles einem Serienmörder auf den Fersen, bis schließlich auch seine Frau von dem gewieften Killer (Keanu Reeves) getötet wurde. Seitdem ist Campbell im fernen Chicago untergetaucht und vom Dienst suspendiert. Migräneanfälle und Erinnerungsattacken haben ihn fest im Griff. Ohne Schmerzmittel und regelmäßige Besuche bei seiner Therapeutin (Marisa Tomei) kommt er nicht über die Runden. Dann flattern Briefumschläge ins Haus. Der Mörder hat seinerseits die Verfolgung aufgenommen und schickt Campbell nun täglich die Fotos der nächsten Opfer, versehen mit der Uhrzeit für die geplanten Tötung. Der depressive Cop rappelt sich noch einmal auf und schmeißt sich in seinen schwarzen Agenten-Anzug. Im Kampf gegen den Frauenmörder landet schließlich auch Campbells Therapeutin auf der Todesliste.

Spätestens seit Das Schweigen der Lämmer kommt kaum noch ein Serienkillerfilm ohne psychologisches Ränkespiel zwischen Jäger und Gejagtem aus. In Joe Charbanics Kinodebüt ist dieses gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis jedoch nur eine vordergründige Behauptung. Keanu Reeves (Matrix) als gerissener Bösewicht hat in dürftigen Dialogen wenig Gelegenheit, die psychischen Abgründe seiner Figur auszuleuchten. James Spader wirkt als heruntergekommener FBI-Agent nur so lange überzeugend, bis er sich allzu bruchlos wieder in einen Helden verwandeln muss. Regisseur Charbanic hat zuvor in der Werbebranche gedient und betet auch in seinem ersten Kinofilm das kleine Clip-Schüler-Ein-Mal-Eins brav herunter: nervöse Schnittfolgen, grell überbelichtete Bilder, Negativüberblendungen, torkelnde Handkamera und die obligatorischen Videoaufnahmen, die die grobkörnige Welt durch die Augen des Täters zeigen. Dazu kommt das übliche Action-Blendwerk: ausufernde innerstädtische Verfolgungsjagden, der verschwenderische Einsatz von Polizeifahrzeugen und der fahrlässiger Umgang mit leichtentzündlichen Flüssigkeiten. Krampfhaft versucht sich hier ein Kinodebütant als Action-Routinier zu verkaufen. Dabei sollte Charbanic erst einmal lernen, Geschichten zu erzählen, bevor er das ganze Set in Brand setzt. Schlappe 33 Millionen Dollar durfte er für sein kleines Tischfeuerwerk auf den Kopf hauen, das nach dem Start nicht einmal seine Produktionskosten einspielen konnte.

Martin Schwickert

USA 2000 R: Joe Charbanic B: David Elliot, Clay Ayers K: Michael Chapman D: James Spader, Marisa Tomei, Keanu Reeves