STRATEGIE

Burgenbauer

»Caylus« entwickelt sich in jeder Partie anders

Sorry, diese Schachtelgrafik sieht schaurig aus. Der amateurhaft wirkende Illustrations-Stil setzt sich auch auf Spielplan und Gebäudeplättchen fort, obendrein lassen sich die dort verwendeten Farbsymbole nur schwer auseinander halten. Kein Grund, von Caylus deshalb die Finger zu lassen: Das Spiel ist einfach zu gut! Im Auftrag Philipps des Schönen betätigen sich die Spieler als mittelalterliche Burgenbauer und kämpfen um Prestige. Aus dem System von Zulieferern wächst rund um die Baustelle im Laufe der Partie eine komplette Stadt heran, die schnell ihr Eigenleben entwickelt. In jeder Runde schickt man seine Kolonne von sechs Arbeitern aus: Wer in den Forst geht, bekommt dort Holz, im Steinbruch gibt es Steine, auf dem Bauernhof Nahrung oder Tuch. Mit diesen Materialien werkelt man nun an der Burg weiter oder aber erstellt ein neues Stadtgebäude. Ein Sägewerk erleichtert fortan die Holzverarbeitung, ein Maurer ermöglicht Steinhäuser zu bauen. Diese neuen Fähigkeiten stehen allen Spielern zur Verfügung. Wer seinen Arbeiter zuerst beim jeweiligen Handwerker einsetzt, erhält für die laufende Runde das Nutzungsrecht. Der Besitzer des Gebäudes gewinnt Punkte. Ob und wann bestimmte Gewerbe zur Stadt kommen, bleibt den Spielern überlassen. Die einzelnen Partien entwickeln sich dadurch sehr unterschiedlich und das variable System lädt dazu ein, immer neue Strategien auszuprobieren. Möglichst viele Ressourcen in die Burg zu pumpen, um in Philipps Ansehen zu steigen, verspricht genauso viel Erfolg wie eine gegenteilige Spielweise, die sich voll auf die Stadt konzentriert. Obendrein verläuft Caylus angenehm konstruktiv. Jeder kommt voran, nichts wird einem zerstört oder weggenommen. Für geübte Spieler, die auch gerne mal bis zu drei Stunden investieren, gibt es derzeit kaum Besseres.

Udo Bartsch

Caylus von William Attia. Ystari, 2-5 P., ca. 35,-