Grand Cru

Ein guter Wein muss reifen, und das braucht Zeit. Die Grundidee ist damit schon umrissen: Wir produzieren eine Ware, die erst nach mehreren Runden zur Verfügung steht. Je länger die Fasslagerung dauert, desto wertvoller das Endprodukt, doch umso knapper wird zwischendurch das Geld. Alle Winzer starten kreditbelastet ins Spiel. Das Ziel lautet, als Erster ohne Schulden dazustehen. Weinreben und hilfreiche Ausbauten für das Gut treiben einen zunächst noch weiter in die Schulden, erst nach ein paar Durchgängen schreibt man auch mal schwarze Zahlen. Originell und gewöhnungsbedürftig ist der Rhythmus: Ein Spieljahr endet nicht nach einer festgelegten Zahl von Aktionen, sondern immer dann, wenn einer der Teilnehmer seine Reben komplett abgeerntet hat. Auf schnelles oder langsames Ernten basieren verschiedene Strategien: Wer viele Kredite aufgenommen hat, will das Spiel eher bremsen, um die Zinszahlungen hinauszuzögern. Spieler mit langwierig reifenden Weinen hingegen setzen auf Beschleunigung, damit es in ihrem Weinkeller vorwärts geht. Grand Cru bietet wesentlich mehr Tiefgang als es zunächst den Anschein hat, erfordert aber Mitspieler, die über mehrere Partien am Ball bleiben. Die in ihrer Symbolik sehr uneindeutige Grafik erschwert den Einstieg. Dieses Spiel hätte Übersichtsblätter nicht nur nötig gehabt, sondern auch verdient.

-ub-

Grand Cru von Ulrich Blum. eggertspiele, 2-5 P., ca. 32,-