Monopoly. Das Spiel, die Stadt und das Glück

Was hat Immanuel Kant mit der Schlossallee zu tun? Warum ist das Beispiel-Spiel des Kapitalismus ein Plagiat? Und wie kommt das bedingungslose staatliche Grundeinkommen auf den dollargrünen Marktplan? Andreas Tönnesmann erklärt uns alles über Monopoly, außer eine Gewinnstrategie. Der Kunstgeschichtler rollt erst mal die verwickelte Vorgeschichte auf. Monopoly war in allen seinen Elementen schon seit Jahren als selbstgebasteltes Spiel in Amerika bekannt, sogar den Namen gab es schon, als Charles Darrow 1935 sein Patent für Monopoly erhielt. Geschickt machte er aus dem Konzept einer Wirtschaftssimulation, in der ein paar revolutionäre Ideen steckten, ein Massenprodukt. Er sägte Häuser und Hotels aus Schablonen, er steckte das Spiel in eine Schachtel mit Markendesign. Und er verkaufte das Paket an eine große Firma gegen Umsatzbeteiligung. Das ist Kapitalismus pur. Tönnesmann findet im Spiel aber auch Spuren alter Utopien und Reste der Idealstadt-Entwürfe von der Renaissance bis zum Architekten Frank Lloyd Wright. Philosophische Haltungen zum Spiel kommen vor, vom Einüben der Kultur im Sandkasten bis zur Befreiung des Menschen durch den Unernst der Spielhandlung. Dann verfolgt er auch die Geschichte der Monopoly-Kritik, vom Schwarzmarkt in der Sowjetunion bis zu antikapitalistischen Varianten in den 70ern. Fast an jeder Ecke des Spielfelds fallen ihm Zusammenhänge auf, zu Festungsbauplänen von Albrecht Dürer oder zur liberalen Opposition gegen staatliche Lenkung. Die Grundversorgung in Monopoly, Bahnhof, Wasserwerk und Energie, ist privatisiert, die Bank aber gerade nicht. Wer hätte gedacht, dass ein arbeitsloser Klempner in den 30ern so viel Welt in eine Schachtel packte? Bei der, als hätte er's geahnt, anfangs die Spielfiguren fehlten. Man sollte sie durch Fundstücke aus dem eigenen Haushalt ersetzen

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Andreas Tönnesmann: Monopoly. Das Spiel, die Stadt und das Glück. Wagenbach, Berlin 2011, 144 S., 22,90