SPIELE DES JAHRES

Zeit zum Handeln

Die 5 Nominierten

Verlage und Autoren zwischen Hoffen und Bangen: Am 27. Juni kürt die Kritikerjury das "Spiel des Jahres 2005". Fünf Titel sind nominiert für die heiß begehrte Auszeichnung, die Auflagen von mehreren hunderttausend Stück beschert. Als Favorit gilt Niagara, vor allem weil es so hübsch aussieht: Plexiglasscheiben, die sich in einer Pappführung auf dem Spielplan verschieben lassen, setzen eine reißende Flussbewegung perfekt in Szene. Die Spieler paddeln mit ihren Kanus gegen die Strömung an und wollen dabei möglichst viele oder eine bestimmte Kombination Edelsteine nach Hause schaffen, egal ob brav an den Ufern eingesammelt oder den Mitspielern von Bord geklaut. Sehr unterhaltsam. Auch In 80 Tagen um die Welt glänzt mit stimmiger thematischer Einkleidung, verläuft jedoch herkömmlicher. Für ihre Tour um den Globus wählen die Spieler Tickets verschiedener Verkehrsmittel, wobei jeder Fahrschein an eine hilfreiche Sonderaktion gekoppelt ist. Da nicht unbedingt die optimale Karte und die beste Aktion zusammenhängen, erfordert die Auswahl taktische Kompromisse. Beim Würfelspiel Verflixxt laufen gleich drei Figuren pro Spieler einen Parcours ab, dessen Felder Plus- oder Minuspunkte zählen. Die Punkte kassiert, wer das Feld als Letzter verlässt. Auf guten Feldern versucht man also auszuharren, bis fremde Figuren entnervt fortziehen. Auf schlechten hofft man, dass noch jemand unfreiwillig dazu stößt. Nettes Mittelmaß.<> Mehr Komplexität besitzen zwei Handelsspiele. Im Himalaya beliefern die Spieler abgelegene Gebirgsdörfer mit Tee, Jade oder Gold. Immer wer zuerst ankommt, darf verkaufen. Welche Route eingeschlagen werden soll, bestimmt jeder Karawanenführer im Geheimen, so kommt es oft zu Überraschungen. Himalaya besitzt einen sehr originellen Wertungsmechanismus, der aber nur zu viert wirklich greift. Jambo lässt sich ohnehin nur zu zweit spielen. Das Handelsgeschehen steuern hier 112 Spielkarten. Einige davon erlauben Waren billig einzukaufen, andere ermöglichen den Verkauf. Personenkarten verursachen besondere Aktionen; Tierkarten spielt man ausschließlich zum Verdruss des Gegners, dem nun Waren oder Karten gestohlen werden. Ideal für Taktiker.

Udo Bartsch

Niagara von Thomas Liesching. Zoch, 3-5 P., ca. 30,- / In 80 Tagen um die Welt von Michael Rieneck. Kosmos, 3-6 P., ca. 30,- / Verflixxt von Wolfgang Kramer & Michael Kiesling. Ravensburger, 2-6 P., ca. 20,- / Himalaya von Régis Bonnessée, Tilsit, 3-4 P., ca. 30,- / Jambo von Rüdiger Dorn. Kosmos, 2 P., ca. 15,-