DEDUKTION

Schlauer als der Klauer

Denker und Kamellenker auf dem Weg nach Timbuktu

Am Anfang steht Handarbeit. Bevor die Spieler mit ihren Kamelherden losmarschieren können, müssen erst einmal 40 Holztiere mit Aufklebern versehen werden. Was folgt, ist Denkarbeit. Timbuktu gehört zur raren Gattung der Deduktionsspiele. Ziel der voll beladenen Karawanen ist der Markt von Timbuktu. Auf dem Weg durch die Wüste schlagen allerdings immer wieder dreiste Diebesbanden zu. Ware um Ware verschwindet vom Rücken der Tiere. Wer bis zum Schluss den größten Teil seiner Fracht vor den Langfingern retten konnte, gewinnt. Unterwegs erhalten die Spieler Hinweise, welche Stellplätze und welche Warensorten in der nächsten Oase bedroht sind. Wenn die Diebe etwa am ersten Pferch auf Salz und beim zweiten auf Pfeffer lauern, empfiehlt es sich, die mit solchen Gewürzen beladenen Tiere nicht ausgerechnet hierhin zu lenken. Doch die vollständigen Pläne der Räuberbanden kennt niemand. Jeder Karawanenführer verfügt über anderes Detail-Wissen, und einen Deut mehr als die Konkurrenz erfährt nur, wer es versteht, aus dem Verhalten der anderen Spieler die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nachdem die ersten Kamele dann in der Oase angezurrt wurden, gibt jeder seine Informationen an den linken Nachbarn weiter. Jetzt weiß man schon wesentlich mehr, und es beginnt ein Run auf die vermeintlich sicheren Plätze. Doch niemand ist vor Irrtümern gefeit; manchmal blufft die Konkurrenz auf unverschämteste Weise. Timbuktu ist ein stilles Spiel. Es mischt Überlegung und Glück auf harmonische Weise und überzeugt auch durch schönes Spielmaterial.

Udo Bartsch

Timbuktu von Dirk Henn. Queen Games, 3-5 P., ca. 30,-