EISENBAHN

Euro-Version

Das Spiel nach dem »Spiel des Jahres«

Mit der Auszeichnung "Spiel des Jahres" für Zug um Zug gelang dem Verlag "Days of Wonder" im Vorjahr der große Wurf. Obwohl neu im Geschäft, hat er die ungeschriebenen Gesetze der Branche begriffen: Im Jahr eins nach dem Titelgewinn schont man seine kreativen Kräfte und schlachtet den Erfolg aus. Zu Zug um Zug gesellt sich folgerichtig nun Zug um Zug Europa. Wieder geht es darum, Eisenbahnstrecken zu bauen. Und wieder bringt es Punkte, sowohl möglichst lange Distanzen zu überwinden, als auch jene Städte in sein Netz einzubinden, die ein geheimer Auftrag vorgibt - nun eben in Europa statt in Nordamerika. Für den Bau sammeln die Spieler Streckenkarten in acht Farben. Wahlweise zieht man aus einem offenen Angebot oder vom verdeckten Stapel. Um Brüssel mit dem benachbarten Amsterdam zu verbinden, benötigt man einen schwarzen Besitzschein, der längere Weg von Sarajewo nach Athen kostet schon vier grüne. Kritikpunkte am Ursprungsspiel hat sich Autor Alan Moon zu Herzen genommen. Die neu ins Spiel gekommenen Bahnhöfe erleichtern das Erfüllen von Aufträgen, Fährverbindungen erfordern gezielteres Kartensammeln, Tunnelstrecken bedeuten ein Risiko. Zwei Strategien konkurrieren miteinander: Während einige Spieler wacker daran basteln, ihre vielen nachgezogenen Aufträge zu erfüllen, verbrauchen andere, um dies vereiteln, ruckzuck ihre Bauteile und beenden so das Spiel. Die Spannungskurve steigt bei diesem Showdown bemerkenswert an, der Wiederspielreiz ist enorm. Wer Zug um Zug noch gar nicht besitzt, sollte gleich zur Europa-Ausgabe greifen, zumal hier auch die Spielkarten größer und farblich schöner gestaltet sind.

Udo Bartsch

Zug um Zug Europa von Alan Moon. Days of Wonder, 2-5 P., ca. 35,-