DIE FUGGER

Geldsäcke

Wie man den Adel in die Schuldenfalle treibt

Die Fugger wurden unermesslich reich, indem sie Geld verliehen, aber nie zurückbekamen. Das paradox klingende Geschäftsprinzip ermöglichte der einstigen Weberfamilie im 16. Jahrhundert den Aufstieg zu einer der mächtigsten Dynastien Europas. Augsburg 1520 lässt die Spieler diesen Werdegang nachempfinden. Der Adel ist in diesem Spiel dauernd pleite, hat er doch ständig hochwichtige Wahlkämpfe und persönliche Marotten zu bezahlen. Gerne hilft man in der Not, die Stunde der Wahrheit schlägt dann bei den Audienzen: Sämtliche Gläubiger versammeln sich bei Hofe, und wer nun die größte Zahl an Schuldscheinen vorweist, bekommt zwar kein Geld zurück, doch statt dessen Privilegien oder wichtige Ämter, die auf Dauer weit lukrativer sein können als die gepumpten paar hundert Gulden. Wichtigstes Spielutensil sind Karten. Sie stellen Darlehensbitten der verschiedenen Adligen dar. Je nach Rang des bisher erklommenen Amtes erhält man bis zu acht solcher Anfragen zugeteilt und wählt geheim aus, welchen davon man nachkommen möchte. Kartenglück spielt eine Rolle, entscheidender aber ist vorausschauendes Verhalten bei den Audienzen. Denn die zu erwartenden Gegenleistungen lohnen sich zwar meistens, aber eben nicht immer, und erst recht nicht zu jedem Preis. Da andere Spieler einem Ämter und Privilegien wieder abjagen können, bedarf es eines geschickten Timings, um nicht voreilig seine entscheidenden Schuldscheine zu verplempern, sondern die Trümpfe zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen und dann wuchtig nach vorne zu preschen. Augsburg 1520 besticht durch interaktive Mechanismen, eine außergewöhnlich gut umgesetzte Spielgeschichte und vor allem durch enorme Spannung. Die Spielregel mit Kleingedrucktem und zahlreichen Fußnoten schafft allerdings keinen leichten Zugang.

Udo Bartsch

Augsburg 1520 von Karsten Hartwig, alea, 2-5 P., ca. 18,-