BURGENBAUER

Abgespeckt

»Caylus Magna Carta« wirkt wie ein Brettspiel ohne Brett

Wer A kauft, soll auch B kaufen. Immer häufiger reiten Verlage deshalb die Masche, beliebte Spiele in umgewandelter Form erneut zu veröffentlichen. Diesmal ist Caylus an der Reihe. Der Gewinner des Deutschen Spielepreises 2006 erscheint in einer Kartenspielversion. Da allerdings auch Münzen, Holzklötzchen und Figuren zum Spielmaterial gehören, hat man gar nicht den Eindruck, ein Kartenspiel zu spielen. Eher wirkt es wie ein Brettspiel ohne Brett.

Die Spielgeschichte und die wesentlichen Abläufe entsprechen dem Original-Caylus. Aber fast alles wurde vereinfacht und abgespeckt. Ohne dass es dadurch nun simpel wäre: Die Spieler liefern zum Bau einer Burg Rohstoffe an und kassieren Punkte dafür. Alternativ kann man seine Baustoffe auch nutzen, um eigene Gebäude zu bauen, was ebenfalls Punkte zählt. Zudem bringen diese Häuser stetigen Profit in Form von Geld oder weiteren Rohstoffen.

Um überhaupt Materialien zu bekommen, schickt man Runde für Runde Arbeiter in eines der bereits ausliegenden eigenen, fremden oder neutralen Häuser. Am Ende des Durchgangs bringt der Arbeiter vom Sägewerk Holz mit nach Hause, vom Bauernhof Lebensmittel. Jedes Gebäude nimmt immer nur eine Figur auf und die begehrtesten Plätze sind deshalb schnell belegt. Hier ein Gespür für die Pläne der Mitspieler zu entwickeln und daraufhin die richtigen Prioritäten zu setzen, macht die Taktik aus.

Die strategischen Komponenten sind weitgehend weggefallen, doch das Dilemma, immer zu viele Dinge gleichzeitig tun zu wollen, entspricht Caylus. Caylus Magna Carta ist deshalb eine zugänglichere und flottere Alternative für alle, die zwar anspruchsvolle Spiele mögen, aber nicht gleich den ganzen Abend damit füllen wollen. Beide Caylus-Spiele braucht man allerdings nicht. Dazu ähneln sie einander zu sehr.

Udo Bartsch

Caylus Magna Carta von William Attia. Ystari Games / Huch & friends, 2-4 P., ca. 20,-