BROT UND SPIELE

Streng nach Drehbuch

»Colosseum« mutet den Spielern wenig zu

Wenn bei Colosseum Gladiatoren-Plättchen aus der Partie ausscheiden, erklärt die Spielregel dies tatsächlich mit Erschöpfung. Die Realitäten wären dem Spielerpublikum anscheinend nicht zuzumuten. Und allzu viel Einfluss offenbar auch nicht: Gleich an mehreren Stellen, die Anlass für mehr Tiefgang geboten hätten, wirken die Abläufe entschärft.

Die Spieler organisieren Gladiatorenspiele im Alten Rom. Für jede Aufführung existiert ein Drehbuch, das vorschreibt, wie viele Kämpfer, Tiere, Schauspieler oder Musiker eingesetzt werden müssen. Je vollständiger dies gelingt und je höher der Schwierigkeitsgrad des Stückes, desto mehr Zuschauer strömen in die Arena. Das bringt Gold in die Kasse, womit man später weitere Akteure kauft und das Stadion ausbaut. Aber nicht der Reichste gewinnt, sondern wer am Schluss den Zuschauerrekord hält.

So originell dies ist, es provoziert eine Spielweise, die dem Thema zuwider läuft: Man fährt gut damit, einige Aufführungen bewusst am Publikumsgeschmack vorbei zu produzieren, um dadurch Ressourcen zu sparen und diese später in die alles entscheidende Show zu pumpen. Fehlende Zuschauereinnahmen machen sich nur selten negativ bemerkbar.

Über mehrere Runden hinweg gezielt das optimale Schauspiel auszutüfteln, hat trotzdem seinen Reiz. Indem Spieler untereinander ihr Personal tauschen und verschachern dürfen, ist auch für genügend Kurzweil gesorgt. Da das Spielkonzept aber kaum Freiräume bietet, laufen die Partien nach einem ähnlichen Muster und die Motivation erlahmt. Da helfen dann auch die sehr atmosphärischen Gestaltung und das griffige Thema nicht mehr.

Udo Bartsch

Colosseum von Wolfgang Kramer und Markus Lübke. Days of Wonder, 3-5 P., ca. 40,-