GRENZVERKEHR

Souvenirs Souvenirs

Zöllner und Urlauber in einem satirischen Bluffspiel

Irgendjemand was zu verzollen?" Natürlich nicht. Es sind jedesmal reinsten Unschuldslämmer, die da an der Grenze auf ihre Abfertigung warten. "Nur drei Sombreros" seien im Koffer. Mitbringsel. Souvenirs. Doch für einen der Touristen schlägt die Stunde der Wahrheit. Reihum hat ein Spieler das Sheriffs-Amt inne und kontrolliert einen Koffer. Nicht selten stellt sich dann heraus, dass unerklärlicherweise auch Zigarren und Tequila zwischen die Sombreros geraten sind. Während der ertappte Schwindler nun eine saftige Geldstrafe abdrücken muss, schaffen alle anderen ihre Beute unbehelligt über die Grenze. Das Risiko bestimmt jeder selbst. Dazu hat man fünf zufällige Warenkarten auf der Hand. Beliebig viele davon, ob legal oder illegal, stopft man in seinen kleinen Blechkoffer. Nur die Anzahl der Waren muss beim Zoll korrekt angegeben werden, ansonsten dominieren phantasievolle Umschreibungen. Der arme Zöllner hat nun die Qual der Wahl, denn verdächtig ist natürlich jeder. Erwischt die Kontrolle tatsächlich einen Unschuldigen, kassiert der eine Entschädigung. Doch auch ein Schmuggler kann kurzfristig noch entkommen. Bei entsprechendem Trinkgeld zeigt sich manch Grenzer ausnahmsweise bereit, aufs Nachgucken zu verzichten. Am Schluss werden alle Waren verhökert und der Reichste gewinnt. Hart an der Grenze ist ein einfaches satirisches Bluffspiel. Der reine Mechanismus glänzt weder durch Originalität noch durch Raffinesse, aber das Szenario fordert Rollenspiel und witzige Dialoge geradezu heraus. Wer sich darauf einlassen mag, wird sich gut amüsieren.

Udo Bartsch

Hart an der Grenze von André Zatz und Sergio Halaban. Kosmos, 3-6 P., ca. 30,-