DAS BRETT ZUR SERIE

Wandeln und Handeln

Mittelalterliches Feilschen mit »Bohn Hansa«

Normalerweise folgen im Reich der Spiele ja die Karten-Tie-Ins auf die Brett-Vorläufer, im Falle Bohn Hansa ist es nur scheinbar andersherum. Vor vielen Jahren schon trat Uwe Rosenberg mit seinem Kartenspiel Bohnanza einen Erfolg los, dem eine ganze Sippe von Verwandeten und Varianten folgte. Zuletzt Bohnaparte und demnächst Dschingisbohn. Überall wurden Bohnen diverser Sorten gesammelt, aber sonst war alles ganz anders. Auch jetzt bei Bohn Hansa, dem ersten Brettspiel der Familie. 3-5 Mitglieder der Bohnen Hanse bereisen im Mittelalter 10 nordeuropäische Städte (Aalborg bis Danzig), um dort mit 8 Bohnensorten Handel zu treiben. Zufallskarten steuern Aufträge bei, bestimmte Bohnen in bestimmte Städte zu bringen; und ein gewöhnungsbedürftiges System von Handkarten-Auslegen und -Aufnehmen steuert die Bewegungen von Stadt zu Stadt. Dann wird wild gefeilscht, jeder sucht nach passenden Bohnen, um seine Auträge zu erfüllen, nach billigen Zugmöglichkeiten, um seine Ziele zu erreichen ...- das ist der Hauptreiz: selber laufen kostet in der Regel Punkte, zu einem Deal eingeladen zu werden, bringt einen billig die die Stadt des Handelspartners, weshalb der Spieler am Zug meist mehrere Angebote kriegt, die er nicht ablehnen kann. Dafür dürfen die eingeladenen auch miesere Deals akzeptieren, weil sie am neuen Standort neu sortierten Nachschub einkaufen können. So lappt die Logistik-Komponente (Typ: Blau Grün nach Visby) locker um die Verhandlungs- und Gebrüll-Komponente (man kennt die Aufträge des Gegners ja nicht), und wer bloss clever alle Faktoren vor sich hinoptimieren will, hat mit Bohn Hansa ein Problem. Es ist eher wie Poker, bei dem man sich sein Full House zusammen kaufen kann. Da ist auch der einzige Schwachpunkt, möglicherweise: jeder Auftrag bringt immer seinen Garantie-Erlös; kein Risiko dabei, dass das viele Glück auf dem Weg dahin belohnen könnte. Der Lohn liegt fest, nur an den Kosten kann man drehen. Andererseits: wer nur schlechte Aufträge kriegt, hat wenig Chancen. Dafür hat Amigo, der Hausverlag der Bohnen-Serie keine Kosten gescheut, aus der uralten Idee von Uwe Rosenberg (tatsächlich gab's das Brett im Prinzip schon schon weit vor Bohnanza) ein rundes Spiel zu machen. Großer Plan, bunte, gute Regel - alles ist wie es sein soll.

WING

Bohn Hansa. Von Uwe Rosenberg. Amigo, 3-5 P., ca. 20.-