FARBSPIELE AM BRETT

Bunte Runden

Zwei eigenartige Versammlungs-Gelegenheiten

Die Schafe sehen aus wie knuddelige Ostereier, die Schäfer machen einen eher griesgrämigen Eindruck, und das ganze Meine Schafe Deine Schafe hinterlässt seine 2 bis 4 Spieler etwas zerworfen: Hatte ich nun Spaß? Hätte ich mehr haben können? Ist das hier Carcassonne für Kinder? Nun, MSDS ist ein einfaches Legespiel zur allmählichen Verfertigung einer Landschaft aus Schafspferchen. Anfangs weiß niemand, wer welche Farbe sammelt (ein schnell verpuffender Reiz), anfangs hat man kaum Kärtchen auf der Hand (doppelseitig bedruckt mit Landschaften, Schafen, Wölfen und Jägern) und wundert sich über eine seltsame Bonus-Regel: wer als erster nicht mehr mitspielt, kriegt die meisten Punkte. Mmh: Dafür leuchtet der Mechanismus schnell ein: es gibt ein Start-Quadrat, an das pro Zug ein Feld-, Wald- und Wiesen-Kärtchen angebaut wird. Je passender Kante (max 4) gibt's neue Kärtchen aus dem Nachziehsack, so dass die Planbarkeit langsam ansteigt. Weiteren Nachschub gibt's für freiwilliges Farb-Enttarnen. Ziel: Pferche der eigenen Farbe schliessen, mit Wölfen Anderleuts Pferche leer fressen, mit Jägern Wölfe aus Wäldern an eigenen Pferchen totschiessen. Hauptproblem: man muss sich vorher für eine Siegbedingung entscheiden. Der Autor erfand das Bonus-System, das auf eine Art Wette hinausläuft: einen dicken Pferch bauen, aussteigen und hoffen, dass der Vorsprung reicht. Denn hier werden nur die Köpfe in der größten Herde pro Farbe gezählt. Die Redaktion setzt dagegen auf Kopfrechnen: es gibt keinen Bonus, aber die Schafzahl im größten Pferch wird mit der Zahl aller eigenen Pferche multipliziert. Das fördert die Zersiedlung und verändert das Spiel sehr. Spaß macht es so oder so, für eine halbe Stunde und ein taktisch einfacheres Gemüt. Kaum länger dauert Clans, operiert aber eine Anspruchsklasse darüber. In bunter Vorzeit ist eine riesige Landkarte komplett mit 60 Clans in 5 Farben besiedelt. Es sollen aber nur 2 bis 4 Leute mitspielen, damit bei der geheimen Farbzuteilung ein Rest Ungewissheit bleibt. Reihum ziehen nun die hübschen Holzhüttchen zwecks Vergesellschaftung ins Nachbarfeld, zu einer da schon stehenden Hütte oder Hüttenansammlung. Irgendwann ist rund um eine solche nur noch freies Land, dann zählt das Lager als Dorf und bringt Punkte. Der Gründer kriegt anonym (mmh: anocol?) einen Bonus und jede beteiligte Farbe kriegt die komplette Hausanzahl gutgeschrieben (auf einer einfachen Zählleiste). Da muss man ja nur in jedem Nest ein Ei haben und wird zum Gesamtsieg mitgezogen? Ätsch, wenn in einem Dorf alle 5 Farben siedeln, gibt es Multi-Kulti-Streit und Mini-Minderheiten werden ausgewiesen, jede Einzelhütte wird entfernt. Sehr unkorrekt, aber spannend. Und dass das Gewicht der Mehrheiten immer auch den Minderheiten nützt, wenn sie nicht verschwindend sind, versöhnt. Es wird ein bisschen komplizierter: die Hütten reisen über eine vier-fältige Landschaft, in der Wüste, Wiese, Wald und Berg je nach Spielphase mal als lebensfeindlich mal als förderlich gelten. Das reduziert oder erhöht Dorfpunkte. Jetzt noch eine Regel zur Verhinderung von Städten (7 Häuser sind genug), dann haben wir einen Schiebe-Kampf, der mit fortschreitender Zeit und ansteigender Spielerzahl zwar an taktischer Tiefe verliert, aber immer noch Möglichkeiten lässt. Und sei es nur die Hoffnung, die Farbe, der jeder die Punkte zuschustert, sei die einzig unbesetzte. Wenn man auf die verzichtet, können sogar 5 mitspielen.

WING

Meine Schafe Deine Schafe von Phillipe des Pallieres. Goldsieber, ca. 13.- Clans von Leo Colovini. Winning Moves, ca. 16.-