|
TAKTIK & GLÜCK
Herbergs-Hüpfer Der »Kurier des Zaren« stolpert übern Rubel Die Idee ist so gut, da konnte man zwei Spiele draus machen. Zuerst Muscat, das Christiane Knepel und Antje Graf im Eigenverlag herausbrachten - und nun Kurier des Zaren, das bei Winning Moves die Nachfolge des viel gelobten schnellen Taktikers Trans America antreten soll. 3-5 Spieler (2 geht, aber nicht gut) haben je 4 unterschiedliche Typen von "Kurier"-Kärtchen. Und einen weiten Weg vor sich: durch 4 Dörfer mit je 4-5 Herbergen bis zum Zarenpalast. Wer als erster dort ankommt und einen Brief abgibt ... aber das ist schwierig. Denn erstens schläft jeder Kurier-Typ immer nur in einem bestimmten Herbergszimmer (links / rechts / oben / unten), zweitens gilt eine Herberge schon mit 3 Kurieren als voll belegt, drittens können Kuriere nur aus einer vollen Herberge zur nächsten aufbrechen, und viertens legt der unbesetzte Platz fest, wer gehen darf - und wer mit kommt. Nicht logisch aber spannend. Denn natürlich hat man nicht ganz die freie Wahl, welchen Kurier-Typ man wann unten ins Rennen schickt; man hat mal mehr mal weniger Möglichkeiten 1 Dorf aufzurücken; und muss sich stets entscheiden: so setzen, dass ich weiterkommen kann - oder so, dass ein anderer es eher nicht schafft? Statt der komplizierten Zählerei mit Plus- und Minus-Punkten bei Muscat zählt hier nur das Ankommen. Das macht das Spiel zugänglicher. Aber auch leichter, was je nach Spielertyp ein Nachteil sein kann. Und statt der mehrfachen Interaktion über Bande des Originals (wer an einem Ort "zurückbleibt" muss da nicht bloß auf Nachzügler warten, sondern hat Vergeltungs-Chancen) gibt es ein völlig anders geartetes Endspiel: verdeckt auf dem Kreml liegende "Rubel"-Stücke werden nacheinander aufgedeckt wie's Streichholzziehen; man kann jederzeit passen und das Geld aufnehmen - oder weiter ziehen, bis genug Rubel da sind, um den Wächter zu bestechen. Wer aber ein "Njet" aufdeckt, ist sein neues Geld in der Runde los. Das ist pures Glück, kaum gemildert durch unterschiedlich teure Wächter und den Umstand, dass der erste vorm Palast (und der beim billigsten Wächter) häufiger passen kann, um die Transit-Summe zusammenzustoppeln. Mit dem Anflansch kann aber leben, wer Würfel-Risiken mag. Mit einer Amputation im Taktik-Teil jedoch kommt der Kurier endgültig ins Humpeln: wer in einer Herberge zum Aufbruch bläst, muss nicht nur 2 festgelegte Kuriere ziehen, sondern darf auch allein entscheiden, wohin beide gehen. Das killt jede Vorplanung, jeder setzt jeden bloß auf den schlechtest möglichen Platz. Ich verlier ja gerne mal durch Missgunst, wenn ich mir einbilden könnte, durch mehr Hinterlist hätte ich doch gewonnen. Aber so? Die Grund-Idee ist aber so gut, da sollte man mal ein drittes Spiel draus machen. Etwa Muscat mit einem Rennen auf der Zählleiste wie in Trans America? WING Kurier des Zaren von Christiane Knepel und Antje Graf. Winning Moves 2-5 P., ca. 16.- / www.winningmoves.de |