HARLEM
Hippies
Matador / Indigo

Kein Jahrzehnt ohne 60s-Punk-Revival. Oder sollte man sagen, kein Jahr ohne? Diesmal in der Hauptrolle: Harlem aus Austin. Auch sie sprühen vor wildem Elan, ihr Rock'n'Roll-Enthusiasmus besiegt spieltechnische Unzulänglichkeiten, so wie es ja auch sein soll in diesem Genre. Und auch die knochentrockene, nach "1 Mikro hängt im Proberaum"-klingende Produktion von Mike McHugh lässt alle Rumpler und Holperer einfach so stehen, wie es halt gerade passiert. Live sind die Jungs sicher ihre Bierchen wert, aber auf Plattenlänge fehlt dann doch das Talent, eine Melodie auch mal haften zu lassen. Das passiert zumindest während der ersten fünf Tracks dieses Albums. Hat man da einfach eine ältere Session chronologisch vorneweg gestellt? Wie auch immer: Ab "Gay Human Bones" gewinnen die Jungs schwer an Fahrt und ihre Ideen werden zwingender, erinnern an die seligen The Only Ones. Highlight: Das Jonathan Richman zur Ehre gereichende "Cloud Pleaser" mit der herrlichen Loser-Zeile: "I wrote you a letter/but I didn't have a stamp". Von Zeit zu Zeit hört man so was gern.
Karl Koch