THE MAGNETIC FIELDS
Realism
Nonesuch / Warner

Nach Stephin Merritts Aussage ist das jetzt das Folk-Album der Magnetic Fields, und wie schon auf den beiden Vorgängern wird auf die Synthiebeigaben vergangener Jahre verzichtet. Genau betrachtet markierte Merritts bislang erfolgreichstes Opus, das 1999 erschienene Dreifach-Album "69 Lovesongs", bereits die Abkehr vom Synthie-Pop, mit dem die Band um den New Yorker Songschreiber, Multiinstrumentalisten und Sänger seit den frühen 90ern bekannt wurde. Nach den kreischenden Fuzz-Gitarren des Vorgängers nun also Folksongs. Und wirklich: Mit Ausnahme von "The Dada Polka" tauchen hier keine elektrische Gitarren auf, dafür umso mehr Akkordeon, Geige, Cello, Piano, Banjo, 12-saitige Akustikgitarre und ausgefallenes Instrumentarium wie Cajon und Cuatro. Gleichwohl: Wirklich traditionell klingt nur die ausgelassene Appalachian-Hymne "We Are Having A Hootenanny". Ansonsten bestimmen detailverliebte, an Barock- oder Kammermusik erinnernde Arrangements Ton und Stimmung der Balladen und feierlichen Liebeslieder, bei denen sich Merritt den Leadgesang mit Shirley Simms und Claudia Gonson teilt. Hübsch.
Volkard Steinbach