JOANNA NEWSOM
Have One On Me
Drag City / Rough Trade

Frau Joanna Newsom legt ein fulminantes Triple-Album in Sachen avantgardistischer Indiefolk vor. Spielte Newsoms Hausinstrument, die Harfe, bislang noch die übergeordnete Rolle, so werden jetzt die instrumentellen Möglichkeiten ausgeweitet. Frau Newsom greift zu Kaval und Tambura, die orchestrale Wuchtigkeit im Vergleich zum Vorgängeralbum "Ys" ist deutlich reduziert, das Werk eindeutig zugänglicher und ab und an fühlt man sich an Joni Mitchells 70er-Jahre-Sachen erinnert. Die Stimme der Dame soll sich nach einer Erkrankung der Stimmbänder verändert haben und sie selbst mag den infantilen Vergleich nicht. Denn Newsoms knarzend-quäkendes Organ ist sicher keine "Kinderstimme", sondern einfach unvergleichlich. Dieses Album klingt wie ein Meisterwerk, es ist viel zu komplex und genial, um es an einem einzigen Kammermusik-Wochenende zu begreifen.
David Knollmann