BRIAN ENO
Drums Between The Bells
Warp / Rough Trade

Eno hat Musikgeschichte geschrieben - mit Roxy Music, als Ambient-Music-Erfinder und als Produzent von Bowie, Talking Heads, Coldplay und vielen anderen. Nach seinem viel beachteten Einstand auf dem legendären "Warp"-Label vertont der 63-jährige nun Texte des britischen Dichters Rick Holland. Fundamentale Erkenntnisse darf man von den Versen, die Eno und Holland selbst, die Schauspielerin Caroline Wildi ("Harry Potter") sowie diverse Zufallsbekanntschaften vortragen, nicht erwarten, denn der Klang der Worte ist hier wichtiger als der Inhalt. Das passt gut zu Enos Vorstellung von Klangräumen: Beruhigende, manchmal auch geheimnisvolle Ambientsounds sowie typische Synthieflächen nehmen etwa zwei Drittel des Albums ein. Die hier erzeugten Schwebezustände haben zwar ihren Reiz, aber es ist der Rest des Albums mit avantgardistischen Jazz-Einflüssen, verfremdeten Gitarren á la Robert Fripp, agilen Elektro-Beats, exotischen Tribal-Drums und hektisch-nervösem Techno-Funk, der verhindert, dass man als Zuhörer lange vor Track 15 sanft entschlummert...
Volkard Steinbach