GLASVEGAS
Euphoric Heartbreak
Columbia / Sony Music

Auf ihrem Debut wirkte der Pathos-Rock der Schotten, bestimmt durch das Schmerzensgejodel von Frontmann John Allan, der über dröhnenden Gitarren und grummelnder Rhythmusgruppe von Liebesleid und Sehnsucht raunte, noch wie die Inkarnation von Teenage Angst schlechthin. Das ist mit dieser Platte nicht viel anders. Bis auf die Tatsache, dass alle Instrumente hinter einer Lawine aus Soundbrei verschwinden. GlasVegas klingen nun wie die Michael Bay-Blockbuster-Variante von Shoegazer-Pop. Unglaublich, dieser Klangsirup: jede noch so kleine Melodie wird ins Unendliche gedoppelt. Was Producer Flood, bekannt als der Mann fürs Bombastische bei Depeche Mode, U2, Placebo, Editors und vielen mehr, da geritten hat, ist ein Rätsel. Wäre ja nicht ganz so schlimm, wenn das Songmaterial den Aufstand rechtfertigen würde. Doch das reicht an die Qualität des Debuts nur selten heran. Ultra-Pathos trifft auf Gitarren, die wie Morricone-Mandolinen schrengeln; Zeitlupe, Blitz, Donner: markante Teenagergesichter schauen dem Weltuntergang ins Auge. So könnte es wohl klappen in den USA. Hier im alten Europa kann man dieser Band jedoch nur dringend zu einer strengen Diät raten.
Klaus Reinhard