LOW
C'mon
Sub Pop / Cargo Records

Ups, bei diesem Produzenten kann man sich Sorgen machen! Denn Leona Lewis, Avril Lavigne und Ke$ha gehören nun nicht gerade zur Schnittmenge der Low-Fans, die sich eher aus gestandenen Indie- und Alternative-Country-Feinschmeckern um die 40, die Jonathan Franzens "Freedom" auf dem Nachttisch liegen haben, rekrutieren. Aber keine Bange: Matt Beckley hat das Mormonen-Ehepaar Mimi Parker und Alan Sparhawk in dieselbe Kirche wie einst zu "Trust"-Zeiten geschleppt und ihren gleichzeitig schweren wie schwebenden Sound abgestaubt, denn Low strahlen auf diesem Album wie noch nie. Vor allem auch dann, wenn Mimi die Leadstimme übernimmt, wie im großartigen "See Everything" oder auf "Especially Me". Nicht alle Songs dieses Albums entwickeln leider einen ähnlichen Sog, eine quasi religiöse Stimmung, in der man sich verlieren möchte. Ausnahmen: Das auf zwei Akkorden sich hochsteigernde "Majesty/Magic" wird zum Requiem für Agnostiker, und der Album-Closer "Something's Turning Over" zum Trostsong für geschundene Seelen. Amen!
Klaus Reinhard