THE BABYSHAMBLES
Shotter's Nation
Emi

Ganz gleich, ob Pete Dohery wegen Drogen oder sonstigem Wahnsinn Konzerte ausfallen lässt, miese Live-Performances hinlegt oder seine Wohnung zerlegt, bei den Aufnahmen des längst überfälligen zweiten Albums der Babyshambles hat sich der ex-Gitarrist und Songschreiber der Libertines mal zusammengerissen. Oder hat etwa der Produzent Stephen Street (Blur, The Smiths) die Daumenschrauben angesetzt? Jedenfalls hält Pete als Sänger meist den Ton, als Gitarrist spielt er mannschaftsdienlich und seine Songs können sich in ihrer stilistischen Vielfalt und lyrischen Tiefe durchweg hören lassen - obwohl, wenn man die ersten akustischen Demos kennt, die der Sänger im Internet den Fans kostenlos zum Runterladen überlassen hat, hätte man gern noch mehr von ihm in der Rolle eines minimalistischen Singer/Songwriters á la Johnny Thunders vernommen. Aber auch die Albumversionen zeigen in ihrer Verehrung für den Garagenrock und Beat der 60er, für Glam- und Pubrock, Indie und Punk viel rauen Charme, vor allem wenn Doherty und Band wie bei "Delivery" als neue Kinks agieren oder bei "Side On The Road" wie die Stones Roses klingen, die die Stranglers covern. Von Beginn an ist jedenfalls viel ansteckender Überschwang vorhanden, der auch über einige Längen hinwegsehen lässt.
Volkard Steinbach