UNDERWORLD
Oblivion With Bells
Different / Pias

Eine ex-Rockband der 80er entdeckt im Dance- und Elektronikgenre der 90er ihre Bestimmung. Seit sich Karl Hyde und Rick Smith mit dem DJ Darren Emerson zusammengetan hatten, schrieben Underworld britische Musik-Geschichte. Mit "Born Slippy" gelang ihnen sogar ein Klassiker. Umso mehr bewegte die Frage, ob und wie die beiden alten Recken den Ausstieg ihres jungen Sound- und Beat-Zauberers wegstecken könnten. Die Antwort in Form des ersten Post-Emerson-Albums "A Hundred Days Off" klang eher mau, zu ambient, zu sehr nach Ibiza und Chill-Out. Fünf Jahre und diverse Projekte im Cyberspace und auf Soundtrackebene später folgt nun ein weiterer Versuch. Und siehe da: es klappt doch noch. Von der ersten Single "Crocodile" - ein gefährlich schwelender Brandherd aus treibenden Beats und einer mit viel Klosterhall belegten hymnischen Melodie - bis zur Phillip Glass'schen Minimalmusik von "Best Mamgu Ever" zeigen Underworld, dass sie nix verlernt haben. Klassik, Progrock, Laurie-Anderson-Fantasien, Music Concrète und orchestrale Soundskulpturen á la Angelo Badalamenti liefern reichlich Futter für spannende Hörtrips. Selbst für seltsame Marschmusik und einen (Fast-)Rocksong zeigt das Duo Sympathien. Und dass die beiden beklemmend düstere Geräusche zu schätzen wissen, ist auch willkommen. Mit Underworld ist endlich wieder zu rechnen.
Volkard Steinbach