COLDPLAY
Viva La Vida Or Death And All HIS FRIENDS
Emi

Fixe Arbeiter waren Coldplay nie - je erfolgreicher sie wurden, desto länger frickelten Chris Martin und Co. an ihren Songs herum. Für Album Nr. 4 haben sich die Briten Brian Eno als Produzenten auserkoren, der die in viele Richtungen ausfächernden Ideen auf den Punkt bringen sollte, was ihm zum Teil in einem warmen, atmosphärisch verdichteten Sound gelungen ist. Was beim Opener "Life In Technicolor" gleich auffällt: die Briten entfernen sich jetzt noch weiter als beim bombastischen Vorgängeralbum "X&Y" von ihren früher obligaten bittersüßen Pophymnen und Balladen. Ok, es gibt sie noch, die in Melancholie badenden Momente und himmlischen Poparien voll meisterlich inszenierter Dramatik, aber selten durchgängig in einem Song. Immer wenn die "alten" Coldplay aufblitzen, verschwinden sie rasch wieder hinter großen und kleinen Klangornamenten aus üppigen Soundscapes, schillernden Gitarrenschwärmen, opulenten Chören, klöppelnden Beats und repetierenden Keyboardfiguren. Und weil zu allen sphärischen Klavierfantasien, psychedelischen Samples und orientalischen Melodien noch ehrgeizig Tempi und Harmonien wechseln, ist "Viva La Vida" mehr Prog- als Stadionrock, mehr Radiohead als U2.
Volkard Steinbach