TORI AMOS
Abnormally Attracted To Sin
Universal

Tori Amos veröffentlicht zwar nicht jedes Jahr ein neues Album, aber wenn sie sich wieder nach "Boys For Pele" (1996) in die "Martian Studios" nach Cornwall begibt, kommt viel musikalischer Stoff heraus. Die Sängerin, die hier einmal mehr ihre Stimmbandfähigkeiten auskostet, belässt es indes nicht bei 17 langen, kryptischen Songs. Dem Album liegt auch - ohne Aufpreis - eine DVD mit Filmen bei, die während ihrer "American Doll Posse"-Tour mitgeschnitten wurden. Das freut den Fan, wie auch manche der neuen Songs. Vor allem wenn Toris empathische Stimme, ihr Bösendorfer Flügel und Melodien in Moll im Mittelpunkt stehen, klingt ihre Singer/Songwriterkunst faszinierend - etwa bei den Gänsehautballaden "Maybe California", "Curtain Call" und "Ophelia". Letztere ist ein Walzer über eine Frau in Kalifornien, die am Leben verzweifelt und sich daher von einer Klippe stürzen will. Schwere Kost, wie auch die meisten Texte, die sich um Macht und Machtlosigkeit drehen, um Gebote, Institutionen und Menschen, die uns kontrollieren. Aber Leichtes braucht man von Tori Amos, die ihre Gedankenspiele hier in ätherische, elektronisch verzierte Klanglandschaften und extrem ausgefeilte Songgemälde mit prächtigen Streichern taucht, auch nicht erwarten.
Volkard Steinbach