MUSE
The Resistance
Warner

Spaß an Übertreibungen und einen Hang zu Pathos, Pomp & Hosianna zeigte das Trio um den in höchster Emphase croonenden Matthew Bellamy schon immer. Aber selten betrieben Muse dieses Spiel so maßlos und dabei so gut und unterhaltsam wie auf ihrem 5. Studioalbum. Besondere Freude bereiten die Briten sich selbst und uns, indem sie tief in die Zitatenkiste greifen. Glam-Rock, Electropop und Disco werden gleich zum Auftakt angezapft. Nachdem man sich beim opulent dramatischen Titelstück mit typischem Piano-Intro rasch mal selbst zitiert hat, erinnert "Undisclosed Desires" an die Depeche Mode der 80er. Dann geht es mit Verve ran an Queen. "United States Of Eurasia" entwickelt sich mit Freddie-Mercury-Chören, imposanten Wendungen und Steigerungen sowie arabischen Melodien zur orientalischen Version von "Bohemian Rhaposdy". Gleichwohl - eine Rhapsodie ist Muse noch zu wenig. Das Klangabenteuer in Cinemascope gipfelt nach Art-, Hard- und Klassikrock-Experimenten in der dreiteiligen Symphonie "Exogenesis". Voller Orchester-Einsatz, Klavierkonzert-verwandte Sätze, Grüße an Beethoven und Debussy. Was für ein herrlicher Bombast!
Volkard Steinbach