CORTNEY TIDWELL
Boys
City Slang / Universal

Ein Album, das beim ersten Hören verstört - hier scheint wenig zusammen zu passen. Der Auftakt ist ein kunstvoller, von Streichern umrankter Bar-Torchsong in Film-Noir-Stimmung. Daran schließt sich kühler Electro an, gefolgt von Echos aus vergangenen Trip Hop-Zeiten. Eine ätherische Folkadaption im Duett mit Jim James von My Morning Jacket weicht einer sphärischen Klangskizze, die wiederum von luftigem Gitarrenpop a la Cranberries abgelöst wird. Und damit haben wir erst die Hälfte des zweiten Albums der Songschreiberin aus Nashville hinter uns... Cortney Tidwell, die von Lambchop-Musikern begleitet wird, hüpft von Laut zu Leise, von Genre zu Genre, von Inspiration zu Inspiration und schuldet, wie sie treffend formuliert, "sicher ebensoviel Depeche Mode und Joy Division wie Loretta Lynn und Johnny Cash", wobei man Joni Mitchell, Björk und Portishead noch hinzufügen möchte. Mit jedem weiteren Hördurchgang gibt es auf "Boys" mehr zu entdecken, entfalten die dunkel melancholischen Songs eine unglaubliche Sogwirkung.
Volkard Steinbach