AIR
The Virgin Suicides
Source / Virgin

Gleich vorweg: Bei "Virgin Suicides" handelt es sich nicht um ein reguläres neues Air-Album, sondern einen Soundtrack. Eine Auftragsarbeit zum gleichnamigen Film von Sophia Coppola, der Tochter von Francis Ford Coppola. Eine starke Filmscore-Komponente wurde dem französischen Duo ja schon bei den ersten Aufnahmen zugesprochen. Damals fielen für Air Vergleiche mit Francis Lai, Ennio Morricone, John Barry oder Michel Legrand ab. Überraschenderweise bestätigt "The Virgin Suicides" diese Richtung nicht. Kein "Bilitis" fürs neue Jahrtausend also, sondern sakrale Chöre, Gitarren-Glissandi und sparsamer Einsatz von Elektronik. Das Tempo bleibt meist langsam, und auf "Playground Love", der neuen Single (übrigens das einzige Stück mit Gesang!) bieten uns Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel einen kuschelweichen John Lennon mit Saxophonsolo an. Variationen und Motive dieser Nummer tauchen in weiteren Stücken auf, vieles steht in enger Beziehung zueinander - und trotzdem: ausserhalb des Filmkontexts enttäuscht "The Virgin Suicides" doch ein wenig. Hier haben Air ihr Potenzial nicht wirklich ausgeschöpft.
Johnny Lipps