BLUR
Think Tank
Parlophone / Capitol

Blur haben sich als Band rar gemacht - weil Damon Albarn mit den Gorillaz beschäftigt war, in Mali ein Album aufgenommen hat, und Gitarrist Graham Coxon ausgestiegen ist. An fehlenden Ideen lag die Pause bestimmt nicht. Im Gegenteil: "Think Tank" klingt mit seiner Masse an Sound-, Song- und Stilvariationen nach vier Jahren angestauter Einfälle. Klar, bis auf einige knarzige Rocker ist das meiste davon reinste Kopfmusik, aber kann man dieser Band den Hang zu komplexen Songgebilden ernsthaft vorwerfen? Dazu ist das Gehörte auch zu genial, wie die orientalischen Passagen in "Moroccan Peoples Revolutionary Bowls Club", der trippige Blues von "Brothers & Sisters", die ambiente Klangcollage "Caravan" oder das Free Jazz-Finale der lockeren Session "Jets". Auch nicht zu verachten sind die Stücke, die nach klassischem Songmuster gestrickt sind: das melancholische "Out Of Time", die Schaukelstuhl-Nummer "Good Song" und die Ballade "Sweet Song", die wundervoll einlullt. Doch Wegdämmern gilt nicht. Denn hellwach muss man sein, will man alles mitbekommen, was in Blurs "Think Tank" an hochgradig verschachtelten Rhythmen, psychedelischen Exkursen und vertrackten Melodien noch so herumschwimmt.
Volkard Steinbach