JOHNNY CASH
The Man Comes Around
Mercury

Nach allerlei Meldungen über den fortschreitenden Verfall der Country-Ikone vermutete man, das dritte Kapitel der "American Recordings" sei auch das letzte gewesen, zumal die Songauswahl den Tod thematisierte. Doch Johnny Cash wankte nur, und so dürfen wir uns über eine vierte Zusammenarbeit mit Rick Rubin freuen: "The Man Comes Around". Ein wenig flattriger als früher klingt Cashs Stimme schon. Manchmal scheint sie ihn gar verlassen zu wollen, wie bei der sakral anmutenden Fassung von Paul Simons "Bridge Over Troubled Water" und der irischen Hymne "Danny Boy" - zwei Songs, die eigentlich totgespielt sind. Aber bei Cash klingen die so ungewohnt, als hätte man sie fast nie zuvor gehört. Seine stoische oder fiebrige Art der Interpretation, die hier trotz illustrer Gäste wie Fiona Apple, John Frusciante und Billy Preston meist nur von seiner akustischen Gitarre getragen wird, ist wie bei allen "American Recordings" die halbe Miete. Die andere Hälfte geht auf das Konto einer Songauswahl, die verblüfft. Neben vier eigenen Songs und Country-Klassikern (etwa Hank Williams' "I'm So Lonesome I Could Cry" mit Nick Cave als Duettpartner), gibt es nämlich unerwartetes Liedgut von Depeche Mode ("Personal Jesus"), Trent Reznor, den Eagles, Beatles und Byrds. Das schöne "Wichita Lineman" findet sich allerdings nur auf der Doppel-LP-Version - und die ist leider limitiert.
Volkard Steinbach